Offener Brief : Das SOEP muss gestärkt werden
Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) muss aufgestockt und als eigenständige, forschungsbasierte Dateninfrastruktur gestärkt werden. Ein offener Brief.
Eine der Hauptlehren, die bereits jetzt aus der Covid-19 Pandemie gezogen werden kann, ist, dass politische Entscheidungsträger für die Bestandaufnahme und Bewältigung plötzlich auftretender krisenhafter Herausforderungen und deren gesellschaftlichen und sozialen Folgen auf aktuelle und empirisch fundierte Forschungsdaten angewiesen sind. Zudem hat die Pandemie einmal mehr die Frage nach der Qualität von Forschungsdaten auf die Tagesordnung gerufen. Daten sind nicht gleich Daten. Die Wissenschaft hat in der Pandemie rasant reagiert und Corona-Forschungsprojekte schossen wie Pilze aus dem Boden. Als Datenbasis dienten dabei mitunter „Convenience Samples“. Das heißt, anstelle von repräsentativ ausgewählten Stichproben wurden Personen befragt, die gerade „verfügbar“ waren. Das mehr oder minder unkoordinierte Sammeln von Daten als Reaktion auf eine Krise kann den Wettbewerb der Ideen durchaus beflügeln und neue Hypothesen generieren. Es stellt aber keinen Ersatz für langfristige und prospektiv angelegte Verlaufsstudien an großen und repräsentativ erhobenen Stichproben dar. Viele wichtige Forschungsfragen können nur auf der Grundlage solcher Verlaufsstudien, die hohen wissenschaftlichen Qualitätsstandards verpflichtet sind, beantwortet werden – und dies nicht nur in der Krise, sondern auch laufend. Andere Länder haben dies erkannt, beispielsweise Großbritannien, wo in dem Projekt „Understanding Society“ jährlich 40.000 Haushalte und 100.000 Personen befragt werden. Qualitativ hochwertige und groß angelegte Befragungsdaten sind das Kernstück international konkurrenzfähiger Forschung und Rückgrat verlässlicher und solider Politikberatung.





