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Korruptionsfall : „Prinzessin“ von Angola kaufte auch in Deutschland ein

  • -Aktualisiert am

Vertraut mit der Welt der Schönen und Reichen: Isabel dos Santos (rechts) mit ihrem Ehemann und Kunsthändler Sindika Dokolo einer Ausstellung in Porto Bild: AP

Die Ermittlungen gegen Isabel dos Santos offenbaren Verbindungen – auch in Deutschland kaufte die ehemalige Präsidententochter ein. Angolas größter Korruptionsfall zieht weite Kreise. Doch der heutige Präsident lässt viele Korrupte weitermachen.

          4 Min.

          Es wird eng für Isabel dos Santos, die reichste Frau Afrikas. Die Tochter des langjährigen Präsidenten von Angola mit einem auf 2 Milliarden Dollar geschätzten Vermögen sieht sich einer ganzen Lawine von journalistischen Enthüllungen über Bereicherung, Korruption und dubiose Geschäftspraktiken ausgesetzt.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Das Internationale Komitee von Investigativ-Journalisten (ICIJ), das mit drei Dutzend Medien zusammenarbeitet, hat nach eigenen Angaben mehr als 700.000 Emails, Dokumente und Verträge ausgewertet, die ihm zugespielt wurden. Diese gewähren neue Einblicke und zeigen Details zur Art und Weise, wie Isabel dos Santos in zwei Jahrzehnten durch die Protektion ihres Vaters zur wichtigsten Geschäftsfrau des Öl- und Diamantenstaats Angola und zur mehrfachen Milliardärin aufstieg.

          Wie berichtet hat ein Gericht in der Hauptstadt Luanda auf Antrag des Generalstaatsanwalts in einem Korruptionsverfahren Isabel dos Santos Vermögenswerte und Konten eingefroren. Die Justiz fordert, dass sie wegen illegaler Bereicherung mehr als eine Milliarde Dollar an den Staat zurückzahlen solle.

          Dos Santos wittert eine Verschwörung von Geheimdienstlern

          Die in London und Lissabon lebende 46-Jährige wies noch am Sonntagabend alle Vorwürfe abermals zurück. Das Datenleck stamme von angolanischen Geheimdiensten, behauptete sie auf Twitter. Es diene einer „politischen Agenda“, um sie zu „neutralisieren“. Schon vorher hatte sie sich als Opfer politischer Verfolgung des jetzigen Präsidenten João Lourenço dargestellt.

          Ihr Ehemann, der kongolesische Geschäftsmann und Kunstsammler Sindika Dokolo, dessen Vermögen ebenfalls eingefroren wurde, sprach im französischen Fernsehen von einer „Hexenjagd“.

          Die Dokumente zeigen etwa, wie sie ihre Beziehungen zum angolanischen staatlichen Ölkonzern und zum Diamantenkonzern ausnutzte, um sich zu bereichern. Im Kern waren all diese Vorwürfe schon bekannt, nur werden sie nun mit detaillierteren Dokumenten unterlegt. Die Mails zeigen auch, wie Dos Santos damit kämpfte, dass immer mehr westliche Banken mit ihr keine Geschäftsbeziehung mehr unterhalten wollten wegen der Sorge, dass sie gegen Geldwäschevorschriften verstießen.

          Die Deutsche Bank sei „wie der Teufel vor dem Kreuz“ vor einer Geschäftsbeziehung mit ihr davongelaufen, schrieb ein Mitarbeiter. Andere westliche Unternehmen hingegen wie Boston Consulting und McKinsey machten Geschäfte mit dos Santos und berieten sie, etwa bei der Umstrukturierung des Ölkonzerns Sonangol. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC beriet sie zwei Jahrzehnte in Steuerfragen.

          Es gibt auch einen Deutschlandbezug ihrer Geschäfte 

          2011 übernahmen das staatliche Diamantenunternehmen Sodiam und Isabel dos Santos‘ Ehemann die Schweizer Luxusjuwelier-Firma De Grisogono aus Genf, die kurz vor dem Konkurs stand. Sie übernahmen jeweils die Hälfte, das Geld soll jedoch allein von Sodiam geflossen sein. Laut den Berichten hat Angola dabei 140 Millionen Dollar gezahlt. Es wurde zu einem großen Verlustgeschäft für den Staat, die Familie dos Santos scheint indes dennoch profitiert zu haben.

          Es gibt auch einen kleinen Deutschlandbezug ihrer Geschäfte: 2015 kaufte die von ihr kontrollierte angolanische Brauerei Sodiba Brauereianlagen und Abfüllmaschinen von der bayerischen Krones AG. Finanziert wurde der Kauf pikanterweise von der Exportförderbank Ipex, einer Tochtergesellschaft der staatlichen KfW Bankengruppe, wie die „Süddeutsche Zeitung“ zuerst berichtet hat.

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