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Online-Kartendienst „Here“ : Milliarden Daten für ein aktuelles Abbild der Welt

Autonomes Fahren: „Here“ liefert aktuelle Daten für die Straße. Bild: dpa

Die Autos von morgen arbeiten nebenbei als Datensammler für den Kartendienst Here, der jetzt den Autoherstellern Audi, BMW und Daimler gehört. Aber es geht um viel mehr als nur ums Autofahren.

          So spröde die Bezeichnung „Kartendienst“ ist, so großartig sind die Perspektiven: Das Leben wird leichter mit Here, so versprechen vollmundig die neuen Eigentümer – und das sind die deutschen Autohersteller Audi, BMW und Daimler. Der Grund liegt daran, dass Here, bisher eine Tochtergesellschaft von Nokia, sich gerade neu erfindet: „Here wandelt sich von einem Karten-Hersteller zu einer Technologiefirma“, sagt Here-Chef Sean Fernbeck: „Wir werden das Leben der Menschen ganz grundsätzlich ändern“, sagte Fernbeck vor Journalisten.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Aus Here soll künftig eine Plattform für lokale Daten aller Art sein. „Die Karte wird das Herzstück bleiben“, sagte Fernbeck. Doch die entstehende Plattform werde viel mehr beantworten als Frage, wie man von A nach B kommt. Sie werde dabei helfen, Verkehr zu vermeiden und sicherer zu fahren und noch sehr viel mehr. Dazu ist es nötig, dass Here unablässig Daten sammelt. Derzeit werden aus 80.000 Quellen täglich Milliarden von Einzelinformationen in die Karten eingepflegt, die dadurch als hochpräzise gelten und als aktuell.

          In Zukunft bindet Here Millionen von Fahrzeugen und deren Sensoren ein, um noch sehr viel mehr Daten zu sammeln. „Daraus ergibt sich ein reales Abbild der Welt“, schwärmt Audi-Chef Rupert Stadler, und Klaus Fröhlich, Entwicklungsvorstand von BWM, verspricht sich davon Sicherheit für Millionen von Verkehrsteilnehmern, weil man die Daten entsprechend zu neuen Dienstleistungen verarbeiten könne. Ein Beispiel: Wenn nacheinander mehrere Autos an einer bestimmten Stelle abbremsen, könnte dort vielleicht ein Unfall passiert sein – nachfolgende Fahrzeuge können entsprechend gewarnt werden. Und wenn sich das Problem zu einem Stau auswächst, dann könnte mancher auch gleich ein anderes Verkehrsmittel oder einen anderen Weg wählen. Oder man könnte während des Staus ein Restaurant besuchen, das von der Plattform als Alternative angepriesen wird: ihre Daten sollen nämlich keineswegs auf Mobilität beschränkt sein.     

          Je dichter und aktueller die Informationen sind, desto nützlicher sind sie, weshalb sowohl Here-Chef Fernback wie auch die beteiligten Autokonzerne die Offenheit der Plattform beschwören. Jede Ampel, jedes Smartphone, jeder Regensensor einer Autoscheibe kann nützliche Informationen liefern, lautet die Devise. Gespeichert werden die Daten in einer Cloud, und nur das, was ein Nutzer der Plattform im jeweiligen Moment benötigt, wird auch auf dessen Display gespielt – dann jeweils höchst aktuell. Notwendig sind präzise Echtzeitinformationen für das autonome Fahren, das alle drei jetzt an Here beteiligten Autohersteller unabhängig voneinander entwickeln. „Volle Kraft voraus“, fordert denn auch Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber, der von einem „Meilenstein in der Automobil-Geschichte spricht: „In den nächsten zehn bis zwanzig Jahren wird sich in der Autoindustrie mehr verändern als in den vergangenen 100 Jahren“, sagt Weber.      

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