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Geflügel in Amerika : Hähnchen in jeder Lebenslage

Ein aufblasbares Hähnchen im Stil von Donald Trump Bild: AFP

Amerikas politische Kämpfe sind verblüffend eng mit dem Federvieh verknüpft: Vom Handelskrieg über Fettleibigkeit bis zur illegalen Einwanderung – immer geht es irgendwie ums Hähnchen.

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          Regelmäßig, wenn in Amerika etwas krumm läuft, sind in rätselhafter Weise Hähnchen beteiligt. Ob Handelskrieg, Fettleibigkeit, oder illegale Einwanderung, ob verfälschte Wissenschaft oder Religionskonflikte, die Hähnchen sind nicht fern.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Trotz seiner angezüchteten körperlichen Hilflosigkeit darf man das Tier nicht unterschätzen, vor allem nicht in seiner Rolle als Amerikas Fleischlieferant Nummer eins. Es bestimmt heute stärker als alle anderen Zuchttiere den Speiseplan des Landes, das einst für Cowboys und ihre trampelnde Rinderherden berühmt war. Gerade Rinder sind schwer ins Hintertreffen geraten in den vergangenen Dekaden. 2015 war das erste Jahr seit Menschengedenken, in dem der Durchschnittsamerikaner knapp 48 Kilogramm Hähnchen- und Truthahnfleisch verzehrte. Damit überflügelte das Federvieh Schweine und Rinder, die zusammen 47 Kilogramm zu Amerikas Mahlzeiten beisteuerten.

          Besonders bemerkenswert ist die Aufstiegsgeschichte: Der Pro-Kopf-Verzehr verdoppelte sich in den Vereinigten Staaten binnen 40 Jahren, während der Konsum von Rinder- und Schweinefleisch seit Jahrzehnten rückläufig ist (und erst seit 2016 wieder leicht steigt).

          Imperium mit Hähnchenfleisch-Brötchen

          Die Erfolgsgeschichte des Hähnchenfleisches zeigt sich auch am Erfolg der am schnellsten wachsenden Schnellrestaurant-Kette Chick-Fil-A, die mit Hähnchenfleisch-Brötchen ein Imperium errichtet hat. Gemessen am Umsatz ist die Kette im vergangenen Jahr landesweit auf Rang drei von Rang sieben gerutscht. Nur McDonald’s und Starbucks erlösen mehr Geld, brauchen dafür aber viel mehr Niederlassungen als Chick-Fil-A.

          Die Kette gehört einer religiösen Familie, die die Schnellrestaurants am Sonntag geschlossen hat und deren Chef sich unter Berufung auf die Bibel öffentlich ablehnend zur Schwulen-Ehe geäußert hat. Das führte zu Boykott-Aufrufen und Sympathiebekundungen. Im liberalen San Antonio verwehrte die Stadtregierung Chick-Fil-A einen Standort wegen der kritischen Äußerungen des Chefs. Das wiederum hat Texas’ Republikaner aufgebracht, die das „Save-Chick-Fil-A-Gesetz“ durchsetzen: Stadtregierungen dürfen Firmen nicht wegen religiöser Gründe diskriminieren. Dem Absatz von Chick-A-Fil hat der Kulturkampf keinen Abbruch getan.     

              

          Der wachsende Hähnchenfleisch-Appetit hat nicht nur Chick-Fil-A zu einem 10 Milliarden Dollar schweren Umsatz-Riesen gemacht, er hat auch die lange strauchelnde Kette Kentucky Fried Chicken revitalisiert nach schwierigen Jahren und die Popeye-Kette nach vorne katapultiert. Popeye landete gerade einen spektakulären Marketing-Erfolg bei der Lancierung seines neuen Hähnchen-Sandwiches. In den sozialen Medien wird  die Stulle gefeiert wie ein neues Lied von Taylor Swift.

          Zwei Faktoren erklären den Aufstieg grundsätzlich des Hähnchen-Fleisches: Es hat die seit Jahren von amerikanischen Wissenschaftlern genährte Reputation, gesund zu sein, gesünder zumindest als rotes Fleisch von Rindern und Schweinen. Außerdem ist Hähnchenfleisch im Vergleich günstiger. Rindfleisch kostet im Handel dreimal so viel.  Bereinigt von Inflation ist das Federvieh zudem heute billiger als 1960.

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