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Guo Guangchang : Verschwundener chinesischer Milliardär gibt Lebenszeichen

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Das Verschwinden hat Guo Guangchangs soll, so glauben Experten, langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung des Unternehmens haben. Bild: dpa

Obwohl er mehrere Übernahmeschlachten führt, war Guo Guangchang tagelang verschwunden. Jetzt steht der Investor, der als chinesischer Warren Buffet gilt, offenbar wieder in Kontakt mit seinem Unternehmen. Aber es bleiben Fragen.

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          Das Rätselraten um den milliardenschweren Gründer der chinesischen Investmentgesellschaft Fosun geht weiter: Nachdem Guo Guangchang zwei Tage einfach von der Bildfläche verschwunden war, hat Fosun nach eigenen Angaben wieder Kontakt zu seinem Chairman. Er unterstütze die Behörden derzeit bei „bestimmten Untersuchungen“ auf dem chinesischen Festland, teilte das Unternehmen am Freitag nach langem Schweigen mit. Worum es dabei im Detail geht, blieb unklar. Im Sommer war Guos Name im Zusammenhang mit Korruptionsermittlungen gefallen.

          Fosun Pharma, eine Tochterfirma von Guos Fosun-Gruppe, teilte am Freitagabend mit: „Guo Guangchang kann in angemessener Form an wichtigen Entscheidungsfindungen teilnehmen.“  Der Aufsichtsrat befürchte keinen Einfluss auf das Geschäft oder die Finanzen des Konzerns, hieß es weiter.

          Donnerstagmorgen war bekannt geworden, dass Fuson keinen Kontakt zum Unternehmenschef herstellen konnte, sein Mobiltelefon sei ausgeschaltet, hieß es. Der britische Sender BBC berichtete, Guo werde von der Polizei festgehalten.

          Die Unsicherheit stärkte den Kursverfall des Unternehmens an der Hong-Konger Börse. Der Kurs der Dollar-Anleihe von Fosun im Volumen von 400 Millionen Dollar und Fälligkeit 2020 fiel in Hongkong um 16,1 Cent auf 88,30 Cent je 1 Dollar Nominalwert.

          Das Verschwinden Guos sorgte auch in Frankfurt für Unruhe, wo Fosun derzeit gleich um zwei Bankhäuser buhlt: die Privatbank Hauck & Aufhäuser und das deutsch-britische Institut BHF Kleinwort Benson. Bei letzterem hat allerdings die französische Privatbank Oddo & Cie mit einer höheren Offerte die Nase vorn. Sie bekam inzwischen unter Auflagen grünes Licht der EZB.

          Die chinesische Regierung hat in den vergangenen Monaten ihre Anti-Korruptionsermittlungen vor allem im Finanzsektor deutlich ausgeweitet. Eine ganze Reihe von Managern war vorübergehend nicht auffindbar. Der 48-jährige Guo, dessen Privatvermögen auf 5,7 Milliarden Dollar geschätzt wird, ist nun das prominenteste Beispiel. Nach Konzernangaben ist Guo - so weit es ihm möglich ist - nach wie vor in Entscheidungen des Tagesgeschäfts eingebunden. „Das Geschäft läuft normal.“

          Nach Einschätzung von Moody’s-Analystin Sally Yim hat der Fall Fosun weit über die Landesgrenzen hinaus Bedeutung: „Dieser Vorfall dürfte bei den Aufsichtsbehörden im Ausland für Aufsehen sorgen.“ Immerhin sei Fosun international zuletzt aggressiv auf Wachstumskurs gewesen. „Im Moment ist es aber noch zu früh, um die Auswirkungen auf das Geschäft vorherzusagen.“ Die deutsche Finanzaufsicht BaFin wollte sich zur Sache nicht äußern.

          Erst im August wurden Fosun und Guo von einem chinesischen Gericht im Zusammenhang mit Korruptionsermittlungen gegen den früheren Chef der staatlichen Bright Food Group, Wang Zongnan, genannt. Wang wurde seinerzeit zu 18 Jahren Haft verurteilt.

          Guo und Fosun-Vorstandschef Liang Xinjun hatten das Unternehmen 1992 zusammen mit zwei Freunden gegründet, mit denen sie an der angesehenen Fudan Universität in Shanghai studierten. Als die Regierung in Peking dann eine Branche nach der anderen liberalisierte, war Fosun immer mit dabei: im Pharmasektor, der Immobilienbranche und der Stahl- und Eisenerzindustrie. Seit Anfang dieses Jahrzehnts setzt die Gruppe verstärkt auf die Finanzbranche und Übernahmen im Ausland. Ganz oben auf der Einkaufsliste stehen Versicherungen und Firmen aus dem Gesundheits- und Konsumsektor. Bekannteste Beispiele: der portugiesische Versicherer Fidelidade, der Ferienanlagenbetreiber Club Med und die Zirkustruppe Cirque du Soleil. Als sein Vorbild nennt Guo gerne den bekannten US-Investor Warren Buffett.

          In Deutschland hatte Fosun im Sommer den Kauf der Privatbank Hauck & Aufhäuser angekündigt. Kurz darauf preschten die Chinesen auch mit einer Übernahmeofferte für die BHF-Bank vor, wo sie bereits größter Aktionär waren. Dafür haben sie inzwischen zwar unter Vorbehalt grünes Licht der europäischen Bankenaufsicht EZB bekommen, wie zwei Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Die EZB wollte das nicht kommentieren. Eine Chance, den Deal umzusetzen, hat Fosun nach derzeitigem Stand trotzdem nicht. Denn etlichen anderen BHF-Aktionären waren die gebotenen 5,10 Euro je Aktie zu wenig. Die französische Privatbank Oddo & Cie konnte für ihre Offerte von 5,75 Euro je Aktie mehr Anteilseigner auf ihre Seite ziehen. Die EZB als oberste Aufsichtsbehörde hat den Deal bereits genehmigt. Auflage der EZB ist allerdings, dass Oddo die in Aussicht gestellte Kapitalerhöhung von 100 Millionen Euro vollzieht.

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