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Klage von EZB-Direktorin : Von wegen „Graf Draghila“ und „Euro-Totengräber“

Die EZB ragt aus einem winterlichen Morgennebel hervor: Wohnte hier „Graf Draghila“? Bild: dpa

EZB-Direktorin Isabel Schnabel beklagt eine „Verrohung“ der Sprache in der Kritik an der Europäischen Zentralbank. Doch die Deutsche hat auch ganz grundsätzlich etwas zu sagen.

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          Eine zunehmende Aggressivität und „Verrohung der Sprache“ in der Kritik an der Europäischen Zentralbank (EZB) in Deutschland beklagt Isabel Schnabel. Die EZB-Direktorin ist der Auffassung, diese Kritik stütze sich in weiten Teilen auf sogenannte Narrative, also Erzählungen, die einer kritischen Überprüfung nicht standhielten. Das hat die frühere Wirtschaftssachverständige, die seit Jahresbeginn zu dem Führungsgremium der Notenbank gehört, am Dienstag in einer Rede vor der „Juristischen Studiengesellschaft“ in Karlsruhe ausgeführt, die weit über die Veranstaltung hinaus für Aufmerksamkeit sorgte. Zahlreiche Ökonomen von Marcel Fratzscher (DIW) bis Gunther Schnabl (Uni Leipzig) reagierten umgehend zustimmend oder kritisch.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als Beispiele für die Aggressivität und Verrohung der Sprache nennt Schnabel beispielsweise einen Bericht der „Bild“-Zeitung „So saugt Graf Draghila unsere Konten leer“ mit dem Konterfei des früheren EZB-Präsidenten Mario Draghi oder einen Tweet des Journalisten Gabor Steingart, in dem dieser von der EZB-Zinspolitik als dem „größten Enteignungsprogramm seit der sowjetischen Industriemontage und der SED-Zwangskollektivierung“ sprach. Auch einen Titel der „Wirtschaftswoche“ mit einer Todesanzeige für den Euro erwähnt sie, einen Spiegel-Titel „Ohne Zins und Verstand“, ein Heft von Focus Money mit der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde und der Zeile „Diese Frau experimentiert mit ihrem Geld“ sowie eine Darstellung des „Handelsblatts“, in der Draghi sich mit einer Euro-Banknote eine Zigarre anzündet.

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