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Rede des Vorstandsvorsitzenden : Müller macht Volkswagen Mut

Gibt sich optimistisch: VW-Chef Matthias Müller Bild: dpa

VW-Chef Müller hält die Kosten für die Nachrüstung der vom Abgasskandal betroffenen Autos für „überschaubar“. Und noch mehr.

          Volkswagen kommt bei den Kosten für die Nachrüstung der bis zu 10 Millionen vom Abgasskandal betroffenen Autos wahrscheinlich mit einem blauen Auge davon. „Der Aufwand für die Nachrüstung ist technisch, handwerklich und finanziell überschaubar“, sagte der Vorstandsvorsitzende Matthias Müller am Montagabend in Wolfsburg vor etwa 1000 Führungskräften des Unternehmens. „Das ist eine gute Entwicklung“, sagte er in seiner Rede, die der F.A.Z. in Auszügen vorliegt.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Müller berichtete, für mehr als 90 Prozent der betroffenen Diesel-Fahrzeuge in Europa seien technische Lösungen inzwischen von den Aufsichtsbehörden bestätigt. „Bis Ende des Monats werden wir dem Kraftfahrtbundesamt die technische Umsetzung aller Maßnahmen im Einzelnen vorlegt haben.“ Auch bei den mittelgroßen 1,6 Liter-Dieselmotoren seien grundlegende Eingriffe am Motor – anders als zunächst vom Unternehmen angenommen – nicht notwendig, sagte der VW-Chef. Neben einem Software-Update seien zwar auch Hardware-Maßnahmen erforderlich, dabei gehe es aber um „relativ einfache Veränderungen“ am Luftgitter beziehungsweise an der Luftfilterkassette.

          „Wir haben das grundsätzliche ,Go'“

          VW hatte mit Hilfe einer speziellen Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert. Das Kraftfahrt-Bundesamt hatte für insgesamt 2,4 Millionen Wagen in Deutschland einen verbindlichen Rückruf angeordnet, der Anfang 2016 beginnen soll. Beim 2-Liter-TDI reiche ein Softwareupdate aus, dem das Kraftfahrtbundesamt bereits zugestimmt hat, heißt es jetzt. „Auch beim 1.6-Liter-TDI haben wir inzwischen das grundsätzliche ,Go‘“, sagte Müller.

          Neben einer aktualisierten Software seien hier zwar auch Hardware-Maßnahmen erforderlich. Dabei gehe es aber um relativ einfache Veränderungen. „Unsere Annahme, dass grundlegende Eingriffe am Motor notwendig seien, hat sich also nicht bewahrheitet“, sagte Müller den VW-Managern. Auf Schwierigkeiten in Amerika, wo die Umweltbehörden am Wochenende angekündigt haben, VW auch wegen der Manipulationen bei größeren Modellen von Audi und Porsche strenger unter die Lupe zu nehmen, ging Müller nach allem, was bekannt wurde, nicht ein.

          Müller sicherte eine schnelle Aufklärung zu: „Mein Ziel ist es, dass wir die Öffentlichkeit Mitte Dezember mit einem Zwischenbericht über den Stand der Aufklärung informieren können.“ Wer erwartet hatte, dass alle Erkenntnisse über Betrügereien auf dem Tisch seien und ein Ende des Skandals erreicht sei, wurden enttäuscht. „Um keine falschen Erwartungen zu wecken: Wir reden hier über sehr komplexe Vorgänge, die zum Teil lange Zeit zurück liegen. Es wird also noch einige Monate dauern, bis abschließende Erkenntnisse vorliegen.“

          Müller blieb auch die klare Antwort auf die Frage schuldig, wer die Verantwortung für den Abgasskandal trägt, der das Unternehmen in die größte Krise seiner Geschichte geführt hat. VW selbst hatte stets von „einigen wenigen“ gesprochen, die verantwortlich seien. Müller nannte keine Namen, sagte aber, „die für die Manipulationen Verantwortlichen haben falsch gehandelt. Ihre Motive waren falsch. Ihre Prioritäten waren falsch. Ihre Taten waren falsch“. Gleichzeitig bekräftigte er sein Ziel, stärker auf Elektromotoren zu setzen. VW werde seine „Aktivitäten in der E-Mobilität deutlich ausbauen“.

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