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Fallende Rohstoffpreise : BHP Billiton stemmt sich gegen den Preisverfall

BHB Billiton baut im Westen Australiens Eisenerz ab. Bild: AFP

BHP Billiton steht unter Druck. Der größte Rohstoffkonzern der Erde leidet unter den niedrigen Preisen für Erz und Kohle. Trotzdem erhöht der Konzern die Dividende, die Aktie legt zu.

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          Der größte Bodenschatzkonzern der Welt beginnt, die niedrigen Preise für Erz oder Kohle deutlich zu spüren. Gleichwohl sieht er sich auf Kurs und hebt die Dividende weiter an. Vom früheren Pfad der milliardenschweren Übernahmen ist BHP Billiton allerdings abgekommen: „Es müsste schon etwas ganz Wahnsinniges sein“, sagte der Vorstandsvorsitzende Andrew Mackenzie bei der Vorlage der Ergebnisse für die erste Hälfte des Geschäftsjahres (30. Juni). So hat BHP Billiton die Investitionen in der ersten Jahreshälfte um 23 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar verringert. Auch der große Konkurrent Rio Tinto hatte schon erklärt, Unternehmenskäufe stünden nicht auf der Agenda.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Riesen der Branche wollen sich lieber auf die eigenen Stärken konzentrieren und Kosten schneiden, als unter Umständen zweitklassige Werte zu kaufen. Weil es angesichts der niedrigen Preise für Rohstoffe auf dem Weltmarkt aber wenig Anreiz zur Ausweitung der Förderung in der Branche insgesamt gäbe, rechnen die Konzerne mittelfristig wieder mit steigenden Preisen für ihre Produkte.

          Erst nach 2030 Höhepunkt überschritten

          Die Preise für Öl und Erz, zwei der wichtigsten Güter des Unternehmens aus Melbourne, haben sich in den vergangenen Monaten halbiert. Dennoch sehen die Manager die wirtschaftliche Entwicklung der Welt durchaus positiv: China Entwicklung bleibe „gesund“, auch wenn sich die Wachstumskurve abschwäche, Amerika werde schneller wachsen, und auch Japan sich erholen, sagte Mackenzie. Erst nach 2030 werde die Nachfrage für Stahl und damit für Erz und Kohle ihren Höhepunkt überschritten haben. Schrittweise werde die Nachfrage in Indien diejenige in China ablösen.

          „Wir werden diszipliniert bleiben. Unsere Pläne sind flexibel. Wir erwarten eine Durchschnittsrendite für unsere Investitionen von mehr als 20 Prozent“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Die Zwischendividende steigt um 5 Prozent auf 62 amerikanische Cent. Der Kurs der Aktie legte in Sydney am Morgen um 1,4 Prozent zu. Für die Zustimmung zur Abspaltung eines Teils der Geschäfte in das neue Unternehmen South32 in diesem Jahr ködert Mackenzie die Aktionäre mit dem Versprechen, die Ausschüttung nicht zu kürzen – die Dividende für South32 käme dann noch hinzu. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere progressive Dividendenpolitik aufrechterhalten können und in ausgewählte Projekte mit überzeugender Rendite investieren werden“, sagte der Vorstandschef.

          Umsatz sinkt, Dividende steigt

          Die hohe Dividende zahlt BHP Billiton, obwohl der Umsatz im Halbjahr um 12 Prozent auf 29,9 Milliarden Dollar geschrumpft, und der Gewinn gar um gut 47 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar zurückgegangen ist. Zwar ist der Rückgang aufgrund der geschmolzenen Preise dramatisch; doch fällt er geringer aus, als Branchenanalysten erwartet hatten. Sie rechneten nur noch mit 3,6 Milliarden Dollar Überschuss. Die Gewinne aus dem Kerngeschäft mit Erz fielen um 35 Prozent im Jahresvergleich, diejenigen mit Öl sanken um 15 Prozent. Dagegen verfünffachten sich die Gewinne aus dem Geschäft mit Aluminium, Mangan und Nickel nahezu auf 716 Millionen Dollar. Das passt zur Strategie – denn eben diese Bereiche werden in die Neugründung South32 überschrieben werden.

          Der Vorstandsvorsitzende Andrew Mackenzie stellt in Melbourne die Ergebnisse für die erste Hälfte des Geschäftsjahres (30. Juni) vor.
          Der Vorstandsvorsitzende Andrew Mackenzie stellt in Melbourne die Ergebnisse für die erste Hälfte des Geschäftsjahres (30. Juni) vor. : Bild: dpa

          BHP Billiton antwortet auf die Branchenkrise derzeit einerseits mit einer Ausweitung der Produktion, um Marktanteile von schwächeren Konkurrenten etwa in China zu übernehmen. Andererseits spart das Unternehmen, um die Produktivität zu heben: In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres sanken die Kosten um 1,75 Milliarden Dollar. Die gesamten Ersparnisse gegenüber den ursprünglich geplanten Ausgaben betrugen 10 Milliarden Dollar innerhalb der vergangenen drei Jahre. Die Investitionen sollen von knapp 13 Milliarden Dollar in diesem Geschäftsjahr auf nur noch knapp 11 Milliarden Dollar im nächsten getrimmt werden.

          Knapp die Hälfte des Vorsteuergewinns ist abhängig von Preisen und Währungsverschiebungen, die das Unternehmen nicht kontrollieren kann. Angesichts eines Durchschnittspreises von etwa 70 Dollar je Tonne Erz vor Frachtkosten hat BHP Billiton mit Produktionskosten von nun nur noch gut 20 Dollar je Tonne allerdings noch eine Puffer, der diejenigen kleinerer Konkurrenten deutlich überragt. Die Schulden wurden auf knapp 25 Milliarden Dollar zum Jahresende heruntergefahren.

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