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Main-Kinzig-Kreis : Tunnel statt Stelzen für die Eisenbahn

Gegenwind: Der Streckenausbau zwischen Gelnhausen und Fulda/Würzburg stößt auf Proteste. Die Bürger sind gegen aufwendige Tunnelarbeiten. (Symbolbild) Bild: dpa

Eine neue Variante des Bahnausbaus zwischen Gelnhausen und Fulda/Würzburg erweitert die Debatte. Die Bürger lehnen Tunnelarbeiten und hohe Eisenbahnbrücken ab.

          Verschandelte Landschaften, gestörte Idylle und Schaden für die Lebensqualität: Die Angst der Bürger vor dem Bahnausbau im Main-Kinzig-Kreis wächst. In allen Orten, die möglicherweise betroffen sein könnten, formiert sich derzeit der Protest. Mit einem Dringlichkeitsantrag trägt die SPD-Fraktion die Debatte über den Bahnausbau zwischen Gelnhausen und Fulda/Würzburg nun in den Kreistag. Der soll in seiner Sitzung am Freitag mit einem Beschluss die Deutsche Bahn und deren Tochtergesellschaft DB Netz AG auffordern, eine achte Variante in den Katalog der möglichen Streckenführung gleichberechtigt aufzunehmen.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Dabei handelt es sich um die „ABS (Ausbaustrecke) Kinzigtal“ oder „Gorissen-Variante“, benannt nach dem Ingenieur Ingmar Gorissen aus Siegburg, dessen Spezialgebiet der Ausbau von ICE-Trassen ist. Er brachte einen Vorschlag ins Gespräch, der einen Trassenverlauf weitgehend an der bestehenden Bahnstrecke vorsieht. Dieser wäre verbunden mit einer Untertunnelung von Neuhof im Landkreis Fulda und der Kurstadt Bad Soden-Salmünster im Main-Kinzig-Kreis. Nach einem Verlauf entlang der vorhandenen Gleise bis nach Wächtersbach würde eine Rampe hinter dem Wächtersbacher Stadtteil Neudorf die neuen Gleise in die Erde führen. Der Tunnel verliefe unter der Kinzig, würde dann dem Verlauf der Autobahn 66 folgen und unter Bad Soden-Salmünster hindurchführen. Eine Planung mit dem Schwerpunkt Bestandsstrecke favorisieren zunehmend auch die Bürgerinitiativen, die sich in den vergangenen Monaten rund um die Ausbauplanungen gegründet haben. Die Bürger wenden sich je nach Wohnort gegen aufwendige Tunnelarbeiten und vor allem gegen hohe Eisenbahnbrücken, wie sie eine Variante beispielsweise in Brachttal mit sich bringen könnte. Auch in Bad Soden-Salmünster wird der Bau einer großen Eisenbahnbrücke auf Stelzen befürchtet, wie sie die Variante 5 vorsieht. Sie würde nach den Worten von Bürgermeister Lothar Büttner (parteilos) die Kurstadt zerschneiden und den Kurbetrieb gefährden.

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          Die Kreistagsfraktion der SPD will nun erreichen, dass die sogenannte Gorissen-Variante gleichwertig in die Untersuchungen einbezogen wird. In ihrem fortgeschrittenen Zeitplan berücksichtige die DB Netz AG in ihren Planungen der Ausbaustrecke zwischen Hanau und Fulda bisher lediglich sieben Varianten, sagt Fraktionsvorsitzender Klaus Schejna. Der Ausbau dieses großen und wichtigen Infrastrukturprojektes habe große Auswirkungen auf die Region. Deshalb sei es wichtig, alle Möglichkeiten auszuloten. Die Gorissen-Version solle wie die sieben anderen Varianten mit identischen Methoden geprüft und bewertet werden. Diese Bewertung solle die DB Netz AG vor der endgültigen Variantenentscheidung der Deutschen Bahn vornehmen, die für diesen Herbst angekündigt sei.

          Die Bahn steht der Expertise des Ingenieurs allerdings skeptisch gegenüber. In ihren Veröffentlichungen zum Projekt bezeichnet sie sowohl die Untertunnelung von Neuhof mit den neuen Schnellfahrgleisen als auch die von Bad Soden-Salmünster als technisch zwar grundsätzlich machbar, aber als sehr risikoreich und technisch höchst aufwendig. Auch die Kosten wären enorm. Als stärkster Hinderungsgrund wird die Überschwemmungsgefahr der Tunnel bei Hochwasser genannt.

          Doch nach den Worten von Bahnsprecherin Julia Katzenbach-Trosch ist die Gorissen-Variante gleichwohl nicht zu den Akten gelegt. Weiterhin würden alle Möglichkeiten intensiv erörtert und gutachterlich geprüft. Am heutigen Mittwoch beispielsweise berate die zuständige Arbeitsgruppe des Dialogforums ganztägig über die Gorissen-Variante. Die Kreistags-SPD laufe daher bei der Bahn offene Türen ein. Man bleibe bei der Linie, die Lösung mit den geringsten Auswirkungen auf Natur und Mensch finden zu wollen. Dabei würden alle Möglichkeiten berücksichtigt. Aber jede Variante berge Vor- und Nachteile. Deshalb sei es verständlich, dass sich von Variantenvorschlägen betroffene Kommunen und deren Bürger zu Protestinitiativen formierten. Widerstände gebe es gegen alle denkbaren Verläufe der Neubaustrecke. Die Bahn habe weiter das Ziel, bis zum Jahresende eine Entscheidung über den Trassenverlauf zu treffen. Eine Vorzugsvariante gebe es noch nicht.

          Diejenige Variante, auf die sich die Bahn festlegt, wird im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens weiterentwickelt und zur Genehmigungsreife gebracht. Mit einem Baubeginn kann nicht vor dem Jahr 2023 gerechnet werden. Drei der sieben Varianten sehen von Gelnhausen aus eine Durchquerung des Spessarts vor, die neuen Gleise sollen dann bei Mottgers an die vorhandene Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg angebunden werden. Drei Varianten in Richtung Fulda verlaufen zum Teil innerhalb der Täler von Kinzig und Flieden, die siebte erstreckt sich entlang des westlichen Rands des Suchgebiets am Fuß des Vogelsberges.

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