https://www.faz.net/-gzg-9jpu0

Muslimische Kita : Wo Rauch ist, da ist auch Feuer

  • -Aktualisiert am

Ende der muslimischen Kita: Tafel weist auf den Eingang des Al-Nur-Kindergartens. Bild: dpa

Die einzige muslimische Kita in Rheinland-Pfalz muss schließen. Die Nähe zum radikalen Islam hat dem einstigen Modell-Projekt den Todesstoß versetzt. Überraschend kommt das nicht. Ein Kommentar.

          1 Min.

          Wo Rauch ist, da ist auch Feuer, heißt es. Und in dem vom Mainzer Arab Nil-Rhein Verein genutzten Gebäude an der Mombacher Straße lagen schon immer so dichte Schwaden in der Luft, dass man beim Verlassen des Hauses das ungute Gefühl hatte, die Sache wieder nicht richtig durchdrungen zu haben. Daran änderten – etwa am Tag der offenen Moschee – die gereichte Tasse Tee und das Gespräch mit dem stets freundlichen und dialogbereiten Vorsitzenden Samy El Hagrasy nichts.

          Was sich im Innern des Moscheevereins wirklich tat, was genau dort gesagt und gepredigt wurde, blieb Besuchern in aller Regel verborgen. Nur gelegentlich fiel einem der Gäste auf, dass dort islamische Schriften in den Regalen standen, die alles andere als gemäßigt seien. Hin und wieder schauten zudem Redner vorbei, die zuvor andernorts als Hassprediger aufgefallen waren. Alles nur „bedauerliche Einzelfälle“ hieß es dazu auf Nachfragen beschwichtigend; immer in der Hoffnung, dass sich der unangenehme Rauch bald wieder verziehen werde.

          Ein undurchsichtiger Ort

          Dass so ein undurchsichtiger Ort nicht der richtige Platz für eine Modell-Kita sein kann, wurde jetzt auch von der Landesregierung erkannt, die ebenso wie die Stadt Mainz viel zu lange am Al-Nur-Kindergarten festhielt, bis ihm gestern doch die Betriebserlaubnis entzogen wurde. Weil es einfach zu viele Ungereimtheiten gibt, die sich selbst vom redegewandten El Hagrasy nicht mehr wegdiskutieren lassen. Zum Beispiel, warum man sich als offizielle Prüfungsstelle für eine Online-Universität hat anerkennen lassen, deren zur salafistischen Szene gehörender Begründer unter anderem die Todessstrafe für Homosexuelle befürwortet.

          Womöglich spricht der überforderte Frontmann des Mainzer Moscheevereins längst nicht mehr für alle Strömungen des Vereins, sondern versucht vorrangig sein eigenes Lebenswerk zu retten. Von der Idee mit dem muslimischen Kindergarten wird er sich nun wohl verabschieden müssen. Die Frage, ob und inwieweit dieses Modell überhaupt ein Integrationsangebot sein kann oder ob es sich nicht doch um eine bewusst gewählte Form der Abschottung handelt, wurde schon zur Gründung der Al-Nur-Kita vor zehn Jahren kontrovers diskutiert.

          Für Letzteres spricht, dass selbst der eigens ins Leben gerufenen Wissenschaftliche Beirat nicht verhindern konnte, dass die vorgesehene musikalische Früherziehung von einigen Eltern abgelehnt wurde. Auch so etwas müsste beim nächsten Anlauf von Anfang an besser organisiert werden. Falls irgendwo im Land eines Tages noch einmal ein muslimischer Modell-Kindergarten genehmigt werden sollte.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Weitere Themen

          Den Reisepass raussuchen

          Heute in Rhein-Main : Den Reisepass raussuchen

          Die Frankfurter FDP hat sich für ein Vier-Parteien-Bündnis entschieden. Die Stimmung in hessischen Kitas hingegen schlecht. Die Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Pionierleistungen Video-Seite öffnen

          Upländer Molkerei : Pionierleistungen

          Die Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei. Katrin Artzt-Steinbrink, spricht über die eigenen Pionierleistungen und den Weg in die Zukunft.

          Topmeldungen

          Vorbild für Moskau: Ein Mann lässt sich in der russischen Hauptstadt am Donnerstag mit dem Vakzin Sputnik V impfen

          Impfen in Russland : Moskau prescht mit Pflichtimpfung vor

          Moskaus Bürgermeister und drei weitere russische Regionen verpflichten Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter gegen das Coronavirus zu impfen. Der Kreml hingegen zögert angesichts der Impfunwilligkeit der Russen.
          Annalena Baerbock signiert am Donnerstag nach der Vorstellung ihres Buches ein Exemplar

          F.A.Z. Exklusiv : Baerbocks Pakt mit der Wirtschaft

          Die grüne Kanzlerkandidatin konkretisiert ihr Wirtschaftsprogramm. Ein zentraler Punkt sind Klimaschutzverträge, über die sie Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen will. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.