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Mehrkosten bei Stadtbahn : U 5 ins Europaviertel „unverzichtbar“

  • -Aktualisiert am

Kein Schienenersatz: Trotz der Mehrkosten sprachen sich viele Politiker für die U 5 aus. Derzeit sind oberirdische und unterirdische Abschnitte geplant. Bild: F.A.Z.

Die Bauherren im Neubaugebiet dürfen hoffen: Trotz der Preissteigerung von etwa 50 Millionen Euro halten die Kommunalpolitiker an der Stadtbahn fest. Auch die Opposition sieht keine andere Lösung.

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          Von „Pleiten, Pech und Pannen“ spricht Oppositionsführer Klaus Oesterling (SPD) nach dem Bekanntwerden der Kostensteigerung für die Verlängerung der Stadtbahnlinie U 5 ins Europaviertel. Nach den Mehrausgaben von 150 Millionen Euro für Schulsanierungen, der Kostenüberschreitung beim Altstadtprojekt von mindestens 30 Millionen Euro und den voraussichtlich höheren Ausgaben bei der Straßenreinigung sei nun die Verteuerung der Stadtbahn ins Europaviertel um rund 50 Millionen Euro die nächste Hiobsbotschaft für den Frankfurter Haushalt, sagt Oesterling und spricht von einem „Trauerspiel“. Die SPD sehe jedoch keine realistische Alternative zu dem Stadtbahn-Projekt. Ähnlich ist die Meinung der FDP, sie hält ebenfalls an der Linie fest.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch Helmut Heuser, der verkehrspolitische Sprecher der CDU, will das Vorhaben nicht aufgeben. Die teilweise unterirdisch verlaufende Bahn in das neue Viertel sei nicht nur sinnvoll, sondern unverzichtbar. Ähnlich äußert sich Wolfgang Siefert, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen: „An der Stadtbahn wird nicht gerüttelt.“ Er sei froh, dass die Strecke teilweise über der Erde verlaufe, sagte Siefert. Würde sie, wie ursprünglich vorgesehen, vollkommen unterirdisch geführt, hätte man den wegen der Grundwasserströme nun nötig gewordenen teuren Einsatz einer Tunnelbohrmaschine wahrscheinlich auf die gesamte Strecke ausdehnen müssen, womit die Kosten noch mehr gestiegen wären.

          „Planungsgelder vergeudet“

          Heuser zeigt sich optimistisch, dass der geplante Schienenweg trotz der Verteuerung noch den notwendigen Wert bei der Nutzen-Kosten-Untersuchung erreichen wird. Nach Meinung von Annette Rinn, der Fraktionschefin der FDP, muss jetzt zunächst geklärt werden, ob die Stadtbahn noch den für eine Förderung notwendigen Nutzwert erreicht und ob Bund und Land trotz der Kostensteigerung zu einer Mitfinanzierung bereit sind. Auf keinen Fall dürfe wegen des Projekts der städtische Haushalt ausgeweitet werden. Verkehrsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) müsse die Mehrkosten aus seinem bestehenden Etat bestreiten. „Andere Dinge müssen in diesem Fall zurückgestellt werden“, sagte Rinn. Auch über einen Verzicht auf die Untertunnelung des Europagartens müsse man nachdenken. Peter Gärtner, der verkehrspolitische Sprecher der Linken, fordert diesen Verzicht sogar auf der Stelle. Damit könne man 18 Millionen Euro einsparen. Die Planer müssten auch Abstand davon nehmen, die gerade gebaute Europaallee neu anzulegen und Bäume umzusetzen.

          Oesterling kritisierte namens der SPD die lange Verzögerung des Stadtbahn-Projekts. Ursprünglich sei beabsichtigt gewesen, die Bahn gleichzeitig mit dem Beginn der Bebauung in Betrieb zu nehmen. Der Bau des neuen Viertels schreite voran, vor kurzem sei das Einkaufszentrum „Skyline Plaza“ in Betrieb genommen worden. Aber eine attraktive Erschließung mit dem öffentlichen Nahverkehr sei immer noch nicht in Sicht. Die Verantwortung dafür liege bei der Koalition von CDU und Grünen. Diese habe in den vergangenen sieben Jahren dreimal ihre Meinung zu dem Projekt geändert. Zuerst von einer reinen U-Bahn-Lösung zu einer vorwiegend oberirdischen Führung der Strecke. Dann zurück zu einer reinen Tunnellösung und schließlich im Frühjahr dieses Jahres dann doch zu einer weitgehend oberirdischen Variante. „Durch diesen dreifachen Salto rückwärts sind wertvolle Jahre verlorengegangen und städtische Planungsgelder vergeudet worden“, monierte Oesterling. Und es sei versäumt worden, die Baukosten realistisch abzuschätzen.

          Vorerst fährt Buslinie 46

          Im Europagarten ist unterdessen schon alles vorbereitet. Ein Tunnel unter dem kleinen Park soll nicht nur die Fahrspuren für die Autos aufnehmen, sondern auch die Gleise der U 5. Für die Erschließung des Gebiets westlich der Emser Brücke ist das Immobilienunternehmen Aurelis zuständig, allerdings nur für Straßen, Grünflächen und Leitungen, nicht für die Stadtbahn. Das Unternehmen ist der Ansicht, dass die Kostensteigerung auf die Erschließungsarbeiten in diesem Teil des Europaviertels keinen Einfluss hat. „Aus heutiger Sicht werden wir, wie geplant, den Tunnel 2014 und 2015 bauen und anschließend den letzten Teil des Europagartens fertigstellen“, teilt Aurelis mit.

          Eine Beteiligung an den Baukosten für die U-Bahn kommt für das Unternehmen nicht in Frage. Der Grund für die Mehrkosten liege am anderen Ende des Viertels in Höhe des Güterplatzes, also außerhalb des eigenen Planungsgebiets. „Zudem ist die Finanzierung des ÖPNV in Deutschland grundsätzlich Aufgabe der öffentlichen Hand“, heißt es weiter von Aurelis. Die Gründe für die Verteuerung seien nachvollziehbar und damit auch die Verzögerung. Auf die Bahnverbindung zu verzichten sei nicht empfehlenswert, denn ein Stadtquartier von der Größe des Europaviertels brauche eine sehr gute ÖPNV-Anbindung. Für die ersten Jahre sei mit der Buslinie 46, die seit Sonntag auch ins Europaviertel West fährt, und den beiden S-Bahn-Stationen Messe und Galluswarte eine akzeptable Anbindung gegeben.

          „Die war für uns immer gesetzt“

          Vermarktungsschwierigkeiten in größerem Umfang erwartet Aurelis infolge der Verzögerung nicht. Allerdings fragten potentielle Kunden für die Bürogebäude, die im Bauabschnitt Boulevard Mitte geplant sind, verstärkt nach der Stadtbahn. „Für Unternehmen, die in Frankfurt gehalten oder nach Frankfurt geholt werden sollen, ist das ein entscheidender Aspekt. Hier ist es wichtig, bald eine belastbare Aussage treffen zu können. Das gilt natürlich auch für die bereits ansässigen Unternehmen und Anwohner.“

          Auch andere Bauherren im Europaviertel hoffen, dass die U 5 kommt. „Die war für uns immer gesetzt“, sagt Peter Hofer, Geschäftsführer von Wilma Wohnen Süd und Bauherr des Wohnhochhauses Axis. Beim Kauf des Grundstücks habe es noch geheißen, dass die Stadtbahn schon 2016 komme. Nun muss sich Hofer mindestens bis 2020 gedulden.

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