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Frankfurter Mehrkämpfer : Rechenspiele für die Punktlandung

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Verbissener Kämpfer: Pascal Behrenbruch trainiert mittlerweile in Estland Bild: dapd

Jan Felix Knobel, Pascal Behrenbruch, Claudia Rath und Carolin Schäfer: am Wochenende der Mehrkämpfer in Götzis und Ulm gilt: Starten, durchbeißen, zählen - damit es für Olympia reicht.

          Die Anspannung hat längst auch Jürgen Sammert erfasst. Er trainiert Jan Felix Knobel, Claudia Rath und Carolin Schäfer - also gleich drei Kandidaten für die Leichtathletik-Europameisterschaften in Helsinki (27. Juni bis 1. Juli) und die Olympischen Spiele in London. Zehnkämpfer Knobel und Siebenkämpferin Claudia Rath starten an diesem Wochenende in Götzis, für Carolin Schäfer gilt’s am Donnerstag und Freitag beim Meeting in Ulm. Beide Veranstaltungen bieten nicht die einzige, aber die wohl beste Chance, sich für die Großereignisse zu qualifizieren. Als letzte Ausfahrt nach Helsinki und London bleibt nur noch das Meeting in Ratingen (14./15. Juni). Der Qualifikationsmodus ist kompliziert, aber der Plan des 23 Jahre alten WM-Achten Knobel sieht im Wesentlichen so aus: in Götzis die Olympianorm des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) von 8300 Punkten erfüllen und zugleich zu den zwei besten Deutschen gehören. Dann wäre der Zehnkämpfer von der LG Eintracht Frankfurt direkt für Olympia qualifiziert.

          Die Konkurrenz umfasst drei Namen: Pascal Behrenbruch (LG Eintracht Frankfurt), Rico Freimuth (Halle/8287 Punkte) und Michael Schrader (Bayer Leverkusen/8522). Behrenbruch wird seit einem halben Jahr nicht mehr von Sammert, sondern von Erki Nool und Andrei Nazarov trainiert. Der 27 Jahre alte WM-Sechste von 2009 bereitete sich über den Winter in Estland auf den olympischen Sommer vor. Knobel gegen Behrenbruch - das ist nicht nur aufgrund der Bestleistungen (8288 zu 8439 Punkte) und desselben Vereins ein pikantes Duell. Das Verhältnis der beiden gilt als zerrüttet, zudem warf der DLV Behrenbruch im Herbst 2011 aus seinem Top-Team und entzog ihm die höchste Förderungsstufe; ihm wurde mangelnder Mannschaftsgeist vorgeworfen, außerdem gab es juristische Auseinandersetzungen.

          Nur eine bleibt zu Hause und ist traurig und verletzt

          Knobel wird sich strecken, verbessern müssen, will er ohne Umwege bei Olympia dabei sein. Sammert ruft sich die Einzelergebnisse des bislang besten Zehnkampfes ins Gedächtnis: Vor einem Jahr sammelte der Architekturstudent in Götzis knapp 8300 Punkte. „Da ist kein Ausreißer dabei, das ist alles zu schaffen.“ Mit Potential nach oben. Etwa im Kugelstoßen (15,47 Meter in Götzis 2011), über 400 Meter (49,23 Sekunden) und im Diskuswerfen (46,68 Meter). „Dort liegen die Möglichkeiten, um etwas draufzupacken“, sagt Sammert. Achtzig, vielleicht sogar hundert Punkte mehr nach fünf Disziplinen, in der Summe 4200 Punkte am Samstagabend, bezeichnet Sammert als „Wunschergebnis“. Sollte sich Knobel direkt für die Olympischen Spiele qualifizieren, würde er die EM sausenlassen.

          Luft nach oben: Jan Felix Knobel soll für eine stattliche Steigerung gut sein.

          Um die Zulassung für Olympia kämpft auch Claudia Rath in Götzis. Vor zwei Jahren war sie Elfte der Europameisterschaft, erzielte 6107 Punkte. Die Olympianorm beträgt 6150 Punkte, zudem gelten die WM-Dritte Jennifer Oeser (Leverkusen/6683) und Lilli Schwarzkopf (LG Rhein-Wied/6536) als so gut wie gesetzt. „Eigentlich geht es nur noch um einen freien Startplatz“, sagt Sammert. Claudia Rath hat ihre langwierigen Verletzungsprobleme mit dem Sitzbein leidlich im Griff, schmerzfrei ist die 26 Jahre alte deutsche Meisterin der Jahre 2010 und 2011 nicht. Aber gut genug in Form, um sich eine kleine Olympia- und große EM-Chancen auszurechnen. Wie auch Carolin Schäfer, die sieben Jahre jüngere Konkurrentin aus der Sammert-Trainingsgruppe. Zwischen der Bestleistung der ehemaligen U-20-Europameisterin (5941 Punkte/2011) und der Olympianorm liegen gut 200 Punkte, dennoch sagt Sammert: „Viel besser ist die Konkurrenz auch nicht.“ Er traut Carolin Schäfer in Ulm deutlich mehr als 6000 Punkte zu.

          Knobel, Behrenbruch, Claudia Rath und Carolin Schäfer - es ist das Wochenende der Frankfurter Mehrkämpfer. Nur eine bleibt zu Hause und ist traurig und verletzt. Christina Kiffe, im Vorjahr Fünfte der U-20-EM. Auch sie wird von Sammert betreut. „Wie die Saison weitergeht, ist völlig offen“, sagt die 20 Jahre alte Jurastudentin. Vor zwei Wochen hat sie sich einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen, diagnostiziert wurde außerdem eine Stressfraktur im Schienbein. In der Woche nach Pfingsten wird die Athletin vom ASC Darmstadt eine mehrtägige Rehabilitation beginnen und weiteren medizinischen Rat einholen. Ihr Saisonziel von 6000 Punkten wird sie allerdings wohl nicht mehr erreichen. „Bis jetzt war es immer so, dass ich nach einer Verletzungspause stärker als vorher zurückgekommen bin“, sagt Christina Kiffe. Zuschauen wird sie aber weder in Götzis noch in Ulm, wo sie eigentlich am Start gewesen wäre. „Ich bin zu sehr mit mir selbst beschäftigt.“

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