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Promi-Gastronomie in Frankfurt : Hausmannskost vom Fernsehstar

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Plant ein Restaurant am Flughafen: Tim Mälzer Bild: dpa

Tim Mälzer plant ein Restaurant am Flughafen, die Söhne Mannheims wollen Musik in die früheren Zeilkinos bringen. Sarah Wiener dagegen ist erst einmal nicht mehr an Frankfurt interessiert.

          Unternehmen schmücken sich gerne mit bekannten Namen, um Kunden zu gewinnen. Mal steht für eine Fitness-Studio-Kette die Boxerin Regina Halmich Pate, mal lässt ein Bekleidungsunternehmen die frühere Schwimmerin Franziska van Almsick Kollektionen präsentieren. Seltener kommt es vor, dass Prominente selbst als Unternehmer auftreten. Gleich drei solcher Projekte sind derzeit in Frankfurt im Gespräch, bei denen die Beteiligten nicht nur ihren Namen, sondern auch Geld und Ideen einbringen.

          Anders wäre es bei Tim Mälzer und den Söhnen Mannheims wohl kaum vorstellbar. Der Hamburger mit dem herben Umgangston eines Imbisskochs steht nicht nur am Herd für Authentizität. Und dem Sänger und musikalischen Weltverbesserer Xavier Naidoo ist es kaum zuzutrauen, dass er seinen Namen für ein beliebiges Projekt hergeben würde. So soll auch Mälzers Restaurant im neuen Flughafenterminal A-Plus, das er mit zwei Partnern bis spätestens Ende 2012 eröffnen will, authentisch wirken. Deshalb wird es nicht „Tim Mälzer“ heißen, weil er doch gar nicht in der Küche steht, sondern „Hausmanns“. Dass der Name für Hausmannskost steht, liegt nah. Zum Küchenkonzept will der prominente Betreiber aber nichts weiter sagen, auch da ist er eben eigen.

          Die Partnerschaft mit dem Frankfurter Tim Plasse entstand zufällig, nachdem bereits mehrere Gastronomen versucht haben sollen, Mälzer für ein Projekt am Flughafen zu begeistern. Bei einem Treffen der Gastrovereinigung „Leaders Club“, in dem Mälzer und Plasse Mitglied sind, kamen sie ins Gespräch. Mälzers Partner Patrick Rüther, mit dem er sein Restaurant „Bullerei“ in Hamburg führt, stieg mit ein.

          In der Innnenstadt Frankfurts wird „der geilste Musikklub Deutschlands” eingerichtet, wie Xavier Naidoo verspricht

          „Der geilste Musikklub Deutschlands“

          „Mir ging es nicht in erster Linie darum, dass Mälzer prominent ist, sondern um seine Sichtweisen“, sagt Tim Plasse, der in Frankfurt unter anderem den King Kamehameha Club betreibt. „Er hat mir durch seine Kreativität und Leidenschaft einen anderen Horizont eröffnet.“

          Ganz ähnlich wie das „Hausmanns“ begann vor mehr als zwei Jahren auch das Projekt der Söhne Mannheims GmbH. Geplant ist, in den ehemaligen Zeilkinos mitten in der Stadt einen Musikclub zu eröffnen. „Ein Freund hat uns an einen Tisch gebracht, weil wir beide eine ähnliche Idee geäußert haben“, erinnert sich Madjid Djamegari, der Frankfurter Part der Unternehmung. „Eine glückliche Fügung“ nennen das seine prominenten Partner. Djamegari bringt die gastronomische Erfahrung ein. Er gründete einst den King Kamehameha Club mit und führte zuletzt das Restaurant „Sturmhaube“ auf Sylt. Die Mannheimer Firma von Xavier Naidoo, seinem Manager Sascha Schwind sowie dem Produzenten und Keyboarder Michael Herberger ist für das Musikprogramm und die Technik zuständig.

          Es werde „der geilste Musikklub Deutschlands“, verspricht Xavier Naidoo schon mal. Alle drei Wochen treffen sich die Gesellschafter derzeit, um Konzept und Ausstattung des 1500 Quadratmeter großen Live-Clubs gemeinsam zu gestalten. Im Februar 2012 soll es losgehen.

          Restaurant im neuen Buchhändlerhaus

          Dass Prominente auch schwierige Verhandlungspartner sein können, zeigt das Beispiel der Fernsehköchin Sarah Wiener. Ihr Berliner Unternehmen, in dem mittlerweile 100 Mitarbeiter für drei Restaurants und das Catering arbeiten, hat sich auf Museumsgastronomie spezialisiert. Dazu zählt im weitesten Sinne auch das Restaurant im neuen Buchhändlerhaus, das der Börsenverein des Deutschen Buchhandels derzeit an der Braubachstraße baut. Die Chefin kam im Juni 2010 immerhin persönlich zum ersten Spatenstich und servierte einen Vorgeschmack auf das, was die Gäste künftig im hauseigenen Restaurant essen sollten.

          Doch einen Nachschlag wird es nicht geben. „Es wird zum Januar ein neuer Pächter übernehmen. Es ist kein prominenter Name, sondern jemand aus der Region“, bestätigte die Sprecherin des Börsenvereins, Claudia Paul, auf Anfrage. Man sei sich vertraglich nicht einig geworden, stellt die Sarah Wiener GmbH klar. Frankfurt sei zwar grundsätzlich interessant, aber konkret werde dort kein neuer Standort gesucht.

          Auch bei Tim Mälzer und den Söhnen Mannheims ist nicht davon auszugehen, dass sie künftig ständig in Frankfurt präsent sein werden. Dafür ist ihr Terminkalender zu voll. Doch was in den Frankfurter Töpfen kocht, darüber ist Mälzer sicher dennoch informiert. Die Speisekarte der „Bullerei“ jedenfalls kontrolliert der Hamburger sogar im Urlaub.

          „Mälzer ein bodenständiger Mensch“

          Die Mannheimer Musiker haben sich immerhin vorgenommen, so oft es geht im Club vorbeizuschauen und in wechselnden Formationen selbst auf der Bühne zu stehen. „Nach der Eröffnung ist bereits ein exklusives Konzert geplant“, sagt Djamegari. Schließlich lockt die Möglichkeit, die Musiker live zu erleben, die Gäste mindestens so an wie Regina Halmich die Fitness-Studio-Kunden.

          „Es ist selbstverständlich toll, Partner mit so einem Namen zu haben. Das bringt eine Menge Publicity und öffnet bei Kooperationspartnern die Türen“, gibt Djamegari zu. Viel wichtiger sei ihm aber das Netzwerk in der Musikszene, das seine Partner mitbrächten. „Schließlich sind wir eine vollwertige Konzerthalle mitten in der Stadt. Bei uns können große Showacts auftreten, aber auch Nachwuchskünstler etwa von der Popakademie in Mannheim.“ Bis zu 1000 Zuschauer soll der neue Club fassen. Damit fülle er eine Lücke in Frankfurt, meint Djamegari.

          Und noch einen Vorteil dürften erfolgreiche Geschäftspartner mitbringen: ausreichend Kapital. Dass bei den prominenten Investoren das Geld aber lockerer säße als bei anderen, diese Erfahrung haben die beiden Frankfurter Gastronomen nicht gemacht. Tim Mälzer sei ein bodenständiger Mensch, der schaue genau, was er mit seinem Geld mache, betont Tim Plasse und findet das völlig in Ordnung: „Die meisten glauben, dass man nur mit viel Geld viel erreichen kann. Das ist falsch. Das Wichtigste an einem gut funktionerenden Projekt ist immer die Idee.“

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