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Eintracht Frankfurt : Jetzt ist Veh am Zug

Wie wird Armin Vehs Entscheidung ausfallen? Bild: picture alliance / dpa

In Kürze soll bekannt werden, ob der Eintracht-Trainer bleibt oder geht. Vor allem für den Verein steht einiges auf dem Spiel - zum Beispiel die Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte.

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          Bleibt er? Geht er? Oder nimmt er vielleicht sogar eine Auszeit? Die Woche der Entscheidung ist gekommen. Es ist überfällig, dass sich Armin Veh erklärt. Dass er sagt, was er vorhat. Ob er Trainer der Frankfurter Eintracht bleibt und das fortführt, was er vor gut eindreiviertel Jahren begonnen hat. Veh und die Eintracht - eine Erfolgsgeschichte, gestreckt über zweiundzwanzig Monate.

          31. Mai 2011: Über Frankfurt lacht die Sonne, als die von Vereinspräsident Peter Fischer in Aussicht gestellte „große Lösung“ Wirklichkeit und Veh als Trainer der Eintracht der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Bei der Präsentation im Museum der Frankfurter Arena herrscht drangvolle Enge. Veh, gebräunt und bestens erholt, kommt gerade aus dem ersten Urlaubsdomizil Antalya, besorgt sich von Sportdirektor Bruno Hübner ein frisches Hemd und verabschiedet sich nach seinem ersten Auftritt in Frankfurt Richtung Augsburger Heimat und Comer See, dem zweiten Urlaubsdomizil. Vehs erster Satz: „Vom Erfolg der Eintracht bin ich überzeugt.“ Sein zweiter: „Wenn wir den Aufstieg nicht schaffen sollten, macht es keinen Sinn, ein zweites Jahr zu machen.“

          Zurück zu den Wurzeln

          Veh ist der absolute Wunschtrainer der Eintracht. „Armin Veh war der erste und einzige Trainer, den wir kontaktiert haben“, sagt Vorstandschef Heribert Bruchhagen an diesem Dienstag, an dem es nur ein einziges Mal ein paar Misstöne gibt, als nämlich der Name Ioannis Amanatidis fällt. Für seine Äußerungen nach dem Abstieg in Dortmund („Wir müssen ausmisten“) wird der Grieche arbeitsrechtlich abgemahnt. Veh kehrt an diesem 31. Mai 2011 Frankfurt den Rücken mit dem Versprechen, „dass wir zwar Jung und Rode haben. Wir müssen aber auch in der Breite schauen.“ Und nach Hamburg: Von dort wird in den nächsten Tagen Vehs Assistent Reiner Geyer zur Eintracht kommen.

          Um mit der zweitklassigen Mannschaft das Trauma des Abstiegs schnell zu verdrängen, fährt Veh ins Trainingslager nach Leogang. Alle Mann in einem Hotel. Nur die Mannschaft. Ohne Luxus. Zurück zu den Wurzeln. Vehs Plan geht auf. Die personell beinahe im Wochentakt mit neuen Spielern veränderte Eintracht nimmt Fahrt auf. Kein Testspiel geht verloren. Mit natürlicher Autorität und der Erfahrung von mehr als zwanzig Trainerjahren ist Veh der unumstrittene Chef.

          Den Willen erkannt

          23. April 2012: Die monatelange, akribische Arbeit wird belohnt. Beim Spiel in Aachen hat die Eintracht leichtes Spiel und schlägt die Alemannia 3:0. Der Aufstieg ist perfekt. Die Rückkehr in die Bundesliga ist geschafft. Nach 1998, 2003 und 2005 ist es der vierte Aufstieg der Eintracht in der Bundesliga-Geschichte. Veh also hat es hinbekommen. Noch am Abend wird nach seiner Zukunft in Frankfurt gefragt. „Der Trainer hat gesagt, er werde sich erklären, wenn alles klar ist, und das wird er jetzt tun“, sagt Vorstandschef Bruchhagen. Veh selbst hält sich bedeckt. „Wir werden uns in Ruhe unterhalten, was möglich ist und was nicht.“ Alexander Meier, damals wie heute einer der wichtigsten und herausragenden Spieler, sagt: „Der Aufstieg ist die Wiedergutmachung. Damit sollte die letzte Saison vergessen sein.“

          2. Mai 2012: Im Beisein von Manager Hübner, Vorstandschef Bruchhagen und Aufsichtsratschef Wilhelm Bender lässt Veh Worten Taten folgen und unterzeichnet seinen zweiten Jahresvertrag bei der Eintracht. Dass er in Frankfurt bleibt, begründet er so: „Ich habe den festen Willen bei Vorstand und Aufsichtsrat erkannt, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um auch in der Zukunft erfolgreich zu sein.“

          Klare Kante zeigen

          25. August 2012: Der Saisonstart in wieder erstklassiger Umgebung glückt. Bayer 04 Leverkusen, ein seit Jahren auf europäischen Pfaden wandelnder Klub, wird vom forschen Aufsteiger Eintracht 2:1 geschlagen. Und die Erfolge gehen munter weiter. Hoffenheim (4:0), Hamburg (3:2) und Nürnberg (2:1) werden allesamt besiegt. Und als der beste Bundesliga-Aufsteiger der vergangenen Jahrzehnte in einer atemraubenden Partie Meister und Pokalsieger Dortmund ein 3:3 abringt, staunt die Liga. Diese Eintracht, angeleitet von Veh, ist mehr als nur eine Überraschung. Da steckt System dahinter.

          17. März 2013: Verrückte Fußballwelt. Die Eintracht verliert nach fünf sieglosen Spielen in Folge zwar gegen Angstgegner Stuttgart 1:2, rückt aber von Tabellenplatz fünf hoch auf vier - unmittelbar vor dem FC Schalke 04 stehend, jenem Klub, der um Vehs Dienste buhlt.

          26. März 2013: Nach einem fünftägigen Kurzurlaub wird Veh am Dienstag Nachmittag das Training bei der Eintracht leiten. Gut möglich, dass bis dahin neben dem Freiburger Jan Rosenthal weitere Neuzugänge von Vehs fünf Spieler umfassenden Wunschliste den Weg nach Frankfurt gefunden haben. Zudem werden die Unterschriften unter dem Dreijahresvertrag mit dem neuen Hauptsponsor Fiat erwartet. Die Eintracht hat Veh vor dessen Miniurlaub zugesichert, den Lizenzspieleretat zumindest auf 30 Millionen Euro anzuheben. Auch Sebastian Jung soll bleiben und gehalten werden. Veh ist am Zug. Der Trainer muss das „Rumgeeiere“ beenden und klare Kante zeigen.

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