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1. FFC Frankfurt : Musterschülerinnen mit Prüfungshemmung

  • -Aktualisiert am

Spiel gewonnen, Saison vergeigt: Spielerinnen des 1. FFC Frankfurt beim Sieg gegen Duisburg. Bild: Jan Huebner

Nach dem letzten Spiel einer enttäuschenden Saison leckt der 1. FFC Frankfurt weiter seine Wunden. Das Modell von Manager Dietrich, einem Luxuskader zu vertrauen, hat Kratzer.

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          Eigentlich hatte es Dzsenifer Marozsan eilig. Gleich nach dem Duschen wollte die Fußball-Nationalspielerin am Montag das Stadion am Brentanobad verlassen, schließlich sollte sie schon am späten Nachmittag in Bielefeld sein, wo sich die deutsche Auswahl auf das EM-Qualifikationsspiel gegen Rumänien vorbereitet. Doch auf ihrem Weg zum Bus musste sie immer wieder stehen bleiben: Die Autogramme der 20 Jahre alten Mittelfeldspielerin gehören zu den begehrtesten bei den jugendlichen Anhängern des 1. FFC Frankfurt. Auch die vielen Fotowünsche erfüllte sie mit einem Lächeln. Das Bad in der Menge gehörte zu einer Art Bewältigungstherapie, die der FFC schon in den 90 Minuten zuvor begonnen hatte. „Der Sieg tut uns heute allen gut“, sagte Dzsenifer Marozsan nach dem 5:3 gegen den FCR Duisburg.

          Ein Tor war ihr gelungen, doch auch dieses Erfolgserlebnis war nicht mehr als ein schwacher Trost für die Pleitenserie im Mai. Bis zum letzten Spieltag war dem FFC kein Sieg in diesem Monat gelungen: Niederlagen gegen Potsdam und Wolfsburg hatten die Qualifikation für die Champions League verhindert. Doch vor allem die knapp verfehlten Titel in den Pokalwettbewerben dürften die FFC-Spielerinnen noch einige Zeit beschäftigen. „So etwas vergisst man nicht so schnell“, sagte Marozsan, „wenn man in zwei Endspielen steht, will man sie auch gewinnen.“

          Der betriebene Aufwand aber steht in keiner Relation zum Erfolg

          Bis zum 16. Juli hat sie nun Zeit, die enttäuschende Saison zu verarbeiten; erst in sieben Wochen bittet Trainer Sven Kahlert zum Auftakt der Vorbereitung. „Wir sind alle heilfroh, dass jetzt Pause ist. Das wird der Mannschaft gut tun“, sagte Siegfried Dietrich. Sponsorengespräche, die Planung des neuen Kaders - Urlaub wird der FFC-Manager erst machen, wenn die Vorbereitung beginnt. Mit einem Etat nahe der Zwei-Millionen-Grenze wird der FFC auch dann wieder der Krösus der Liga sein.Schon in diesem Jahr hatte kein Verein bessere Bedingungen.

          Der betriebene Aufwand aber steht in keiner Relation zum Erfolg: Mit dem DFB-Pokal 2011 haben die Frankfurterinnen in den vergangenen vier Jahren nur einen Titel gewonnen. Wäre die Bundesliga eine Schulklasse, der FFC wäre darin so etwas wie der Musterschüler, der am meisten lernt, sich auf jede Stunde gewissenhaft vorbereitet - in den Klassenarbeiten aber nur wenig davon abrufen kann. Die besten Noten bekommt seit Jahren ein Mitschüler, der sich als cleverer erweist und in den entscheidenden Momenten zur Stelle ist: Viermal in Serie ist Turbine Potsdam Meister geworden, den jüngsten Titel hat sich der Verein am Montag mit einem lockeren 8:0 gegen Leipzig gesichert. Das Bemerkenswerte daran: Immer wieder muss Potsdam Leistungsträgerinnen ziehen lassen. Nicht selten landen diese direkt (Lira Bajramaj, Babett Peter, Bianca Schmidt) oder über Umwegen (Nadine Angerer) dann in Frankfurt. Während Turbine-Trainer Bernd Schröder die Verluste mit klugen Einkäufen immer wieder kompensieren kann, muss sich Dietrich fragen, ob seine Transferpolitik wirklich die richtige ist.

          Hilflosigkeit des FFC-Managements

          Im Sommer hat er es verpasst, die Schwachstellen des Kaders zu beheben und der Mannschaft eine wirkliche Struktur zu verleihen. Als Fehlgriff hat sich nicht erst seit ihrem eigenwilligen Einsatz im Pokalfinale und einer verschwiegenen Verletzung die Verpflichtung Lira Bajramajs erwiesen. Über die Aufmerksamkeit, die das Glamourgirl dem FFC bringt, kann sich höchstens der Investor und Pressesprecher Dietrich freuen. Der Manager muss zugeben, dass sie die Mannschaft zu keinem Zeitpunkt weitergebracht hat. Die durch den Rücktritt von Birgit Prinz entstandene Lücke konnte weder Lira Bajramaj noch eine andere Spielerin des Luxuskaders schließen. Viel zu lang hat der FFC auf sie gehofft: Als Birgit Prinz dann wenige Tage vor Saisonbeginn ihren Rücktritt erklärte, konnte Dietrich in der Kürze der Zeit keine Nachfolgerin mehr verpflichten. Und auch ihre Bedeutung als Führungskraft darf nicht unterschätzt werden: Eine Spielerin, die in den wichtigen Partien vorangeht, fehlte dem Kader fortan - umso schmerzlicher war der Ausfall von Nadine Angerer (Knorpelschaden) in der entscheidenden Saisonphase.

          Dass noch im Winter vergeblich versucht wurde, die untrainierte und mittlerweile für Hoffenheim spielende Birgit Prinz zu reaktivieren, zeigt die Hilflosigkeit des FFC-Managements. Turbine Potsdam verpflichtete dagegen Genoveva Anonma aus Jena, die mit 22 Treffern Torschützenkönigin wurde. Auch sie soll schon unter Dietrichs Beobachtung stehen.

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