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Winterreise durch Schweden : Kein Elch, nirgends

  • -Aktualisiert am

Den Pulka ziehend fühlt man sich wie ein Wolgatreidler Bild: Barbara Schaefer

Pulkas ziehen, Rucksäcke schleppen, Holz hacken: Das gehört zu einer Schneeschuhtour über das Fulufjäll - ein Hochplateau in Schweden. Es ist fest in deutscher Hand.

          4 Min.

          Was ist das für ein grelles Irrlicht, das dort draußen durch die Finsternis fährt? Nordlicht kann es nicht sein, es strahlt nicht wie ein Scheinwerfer zum Fenster herein. Es zuckt am Küchenfenster, blendend hell, wie die Suchscheinwerfer eines Polizeitrupps. Ganz sicher ist kein Mensch dort draußen in dieser Höllennacht. Der Schneesturm heult um die Rörsjön-Hütte. Er fährt in den schmiedeeisernen Jøtul-Ofen, zerrt an den Holzwänden. Bloß nicht rausmüssen, zum Toilettenhäuschen. Lieber festklammern am Daunenschlafsack, vom Stockbett herab weiter in die Stube starren, weiter rätseln. Die Außentür fliegt auf. Eine große Gestalt tritt ein. Sie trägt eine Stirnlampe. Es ist Elke. Alles wird gut.

          Wir hatten eine Woche Winterurlaub in Schweden gebucht, das klang erst mal nicht nach Abenteuer. Nach ein paar Tagen im Wintercamp Idre sollte es auf eine Schneeschuhwanderung gehen, über das Fulufjäll, ein flaches Hochplateau in Schweden. Schneeschuhgehen - Skisportler belächeln das. Menschen patschen mit Schlappen unter der Sohle durch die Natur.

          Null Schweden auf einem Quadratkilometer

          Die ersten Tage im Wintercamp verliefen in der Tat sehr gemächlich. Tagsüber flitzten wir mit Langlaufskiern durch den Wald und aßen in einer winzigen Räucherhütte Waffeln mit Multebeerenmarmelade. Der Wirt, ein ehemaliger Polizeichef, war einer der wenigen Schweden, die wir trafen. Denn Idre ist eine deutsche Enklave, hier begegnet man vor allem viel Heimat. Es gibt deutsche Müsliriegel, deutsches Bier, deutsche Angestellte: Ein Sachse kocht, zwei Schwaben fahren die Gäste mit Mini-Bussen umher, und dann natürlich Elke, unsere Tourenführerin aus Brandenburg. Die einzige Nichtdeutsche Mitarbeiterin war Campleiterin Neva Rütsche. Sie kommt aus der Schweiz.

          Auch Beat und Dominique Widmer, bei denen wir eine Hundeschlitten-Tour buchten, sind Schweizer. Seit elf Jahren leben sie mit ihren 34 Siberian Huskys in Schweden. Beat spannte uns im Hof die Hunde an. Die Tiere jaulten, als hätten sie den Wolf in sich entdeckt - unsere kurz zuvor gedrehte Motorschlittenrunde war dagegen eine Flüstertour. Sie tobten los, nach ein paar hundert Metern wurde es ruhig und rhythmisch. Wir hielten Ausschau, aber kein Elch wollte sich zeigen, kein Schneehuhn und auch kein Wolf. Dafür trafen wir unterwegs zwei weitere Gespanne. Deutsche, die mit ihren Hunden nach Schweden ausgewandert waren. Als Beat sagte, hier lebe auf einem Quadratkilometer ein Einwohner, fragten wir uns langsam, ob darunter überhaupt Schweden seien.

          Schweden
          Schweden : Bild: F.A.Z.

          Das war der erste Teil. Dann lernten wir die andere Seite des Winterurlaubs in Schweden kennen. Vor Beginn der viertägigen Schneeschuhtour rief Elke zur Besprechung. Wir würden zwei Pulkas bekommen, so eine Art Plastikwannen mit Zuggeschirr. 40 Kilo würden die wiegen, beladen mit Schlafsäcken, Essen, Notfall-Ausrüstung, und wir müssten sie abwechselnd ziehen. Elke ist in ihrem echten Leben Verwaltungsangestellte. Ihren Jahresurlaub verbringt sie im Winter in Schweden und führt Gruppen durch den Nationalpark. „Wenn ich im Fulufjäll-Nationalpark ankomme, denke ich jedes Mal: zu Hause“, sagt Elke. Dann spricht sie von Notfällen, von Wettereinbrüchen, kontrolliert die Ausrüstung. Eine Teilnehmerin ist schon von der Besprechung vollkommen erschöpft und beschließt, im Camp zu bleiben. Zu fünft ziehen wir los.

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