https://www.faz.net/-gxh-9wt0d

Hotelboom im Indischen Ozean : Die Inseln der kommenden Tage

Im Auge des Papageienfischs, der im Indischen Ozean zu Hause ist. Bild: © Biosphoto / FOTOFINDER.COM

Die Malediven gehen erst einmal nicht unter – jedenfalls sieht es nicht danach aus: Überwasservillen, Shopping Malls und ganze Inseln sprießen überall aus dem Indischen Ozean.

          9 Min.

          Wenn man auf älteren Karten nach der Insel Ithaafushi sucht, dann sucht man vergebens. Ithaafushi gibt es auf diesen Karten nicht – denn die Insel gab es bis vor kurzem nicht. Sie wurde aufgeschüttet. Jetzt ist sie eine von 1196 oder 1199 Inseln und Lagunen, die zusammen die Malediven formen, eine Kette von Atollen, hineingeworfen in das tiefe Blau des Indischen Ozeans. Vermutlich sind beide Zahlen falsch, denn in den vergangenen Jahren sind ein paar Inseln und Lagunen dazugekommen, und wer weiß, wie viele schon wieder weggespült worden sind, es ist, sozusagen, nicht nur unter Touristen, sondern auch unter Inseln ein Kommen und Gehen – aber mehr als tausendundeine Insel sind es gewiss, in 26 Atollen gruppiert, auf einer Länge von rund 800 Kilometern, die südlichsten Inseln liegen jenseits des Äquators.

          Eine Brücke von Freunden

          Barbara Liepert

          Verantwortlich für das Ressort „Reise“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jetzt also Ithaafushi. Die hoteleigene Yacht bringt die Gäste in weniger als einer halben Stunde vom internationalen Flughafen Malé in den Westen des Südmale-Atolls – ohne Unterbrechung der Kühlkette. Die Ferien können sofort beginnen: Man fällt in ausladende Sofas, nach Frangipani duftende Handtüchlein und Drinks werden gereicht, und wer wegen der tropischen Temperaturen die lange Anreise auf sich genommen hat, darf auch hoch zum Kapitän und über die neue Aussicht staunen: Seit kurzem ist die große Brücke der „Chinesisch-Maledivischen Freundschaft“, so der offizielle Name, fertig, die Malé mit dem Flughafen verbindet. An einer zweiten Landebahn wird eifrig gearbeitet, und auch ein neues, 25 Stockwerke hohes Krankenhaus strahlt dem ungläubigen Rückkehrer silbern vom Ufer der Hauptstadt entgegen. Und überall Boote, die Touristen, Personal, Lebensmittel oder Müll umherfahren. Und plötzlich sind da Ferienanlagen, wo früher nichts als eine Lagune war: „Crossroads“, ein sieben Kilometer langer Megavergnügungspark auf neun aufgeschütteten Inseln.

          Eine aufgeschüttete Insel in der Lagune des Waldorf Astoria Ithaafushi im Südmale-Atoll.

          Seit Ende vergangenen Jahres ist auch Ithaafushi fertig, besser bekannt als das neue „Waldorf Astoria“. Wo vor wenigen Jahren drei Sandbänke vom Indischen Ozean umspült wurden, glänzen nun 122 Villen mit Quadratmetern, Poolflächen, Duschen und hyperluxuriösen Features: Der Toilettendeckel hebt sich jeweils bereits bei Annäherung, die Schüssel ist innen beleuchtet, der Sitz vorgewärmt. Und auch vor den Fenstern des auf 22 Grad heruntergekühlten Ferientempels ist auf die Temperaturen Verlass: zwischen 25 und 32 das ganze Jahr über. Der Ozean darunter hat angenehme Badewannentemperatur. Tendenz eher steigend, was zusehends unangenehm für die Korallen und die Riffe und schließlich auch für die Inseln als solche wird.

          An langen Stegen reihen sich auf Ithaafushi zu beiden Seiten die over water villas. Jede hat einen Pool, weil das Meer den meisten Kunden aus Asien nicht genug für den perfekten Urlaub ist. Es ist salzig – und Tiere schwimmen darin herum. Sie wollen, glaubt man den Investoren, auch wenn sie ans Meer fahren, lieber einen Pool und von dort aus das echte Meer als Hintergrund genießen. Bessergestellte chinesische Familien lassen im Waldorf Astoria ihre französischen Markenaccessoires an die Luft, bringen dem Kind das Fahrradfahren bei und halten alles mit mehreren Smartphones der neuesten Generation fest. Vereinzelte Blogger und Influencer kreuzen ihre Wege, den selbstgefälligen Blick immer aufs Display gerichtet. Ithaafushi muss sich nun schnell vermarkten und positionieren, denn die Konkurrenz ist groß, im Monatstakt haben zuletzt Resortinseln eröffnet: Neben zwei von sieben Crossroad-Hotels auch ein Standard, ein weiteres Atmosphere, ein Baglioni und so weiter.

          Weitere Themen

          Freizügig

          Berlin im Stillstand : Freizügig

          Unbeugsame Teenager, leere Supermärkte und ans Meer darf man auch nicht mehr: Berlin ringt mit der Vorstellung, dass die Selbstverständlichkeiten von gestern heute nicht mehr möglich sind.

          Topmeldungen

          Ein Bild aus besseren Tagen: Olaf Scholz, Christine Lagarde, Paolo Gentiloni und Bruno Le Maire Mitte Februar in Brüssel

          Ideen von Scholz und Le Maire : EU-Kompromiss zu Corona-Hilfen in Sicht

          Die Politik will den schrillen EU-Streit um Maßnahmen in der Coronakrise deeskalieren. Deutschland und Frankreich verständigen sich auf drei Schritte, die Niederlande machen ein Friedensangebot. Umstritten bleiben die Corona-Bonds.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.