Wunder des Karsts : Der versteinerte Schrei

Abstieg in den größten unterirdischen Canyon der Welt: Die Höhle von Škocjan im Südwesten Sloweniens öffnet ihren Besuchern das geheimnisvolle Herz des Karsts.
Verkehrte Welt: Wir streunen durch Škocjan, vorbei an der Kirche, den einfachen Steinhäusern und den behäbigen, lose geschichteten Mauern, die den Sturm abhalten sollen, wenn die Bora wieder einmal über die Ebene jagt. Am Rand des Dorfes schlagen wir uns ins Gebüsch, scheinbar planlos und doch mit einem Ziel. Irgendwo unter unseren Füßen muss die Reka fließen, tief im Inneren des Karsts. Zu sehen ist davon nichts, nicht die Spur eines Bächleins oder Flusses, keine Quelle, nichts. Also drehen wir wieder um, etwas desillusioniert. Was haben wir erwartet? Unsere Imagination hat uns wohl einen Streich gespielt. Besser, wir halten uns an die Realität und nehmen die Straße, keine Alleingänge mehr. Dann taucht ein Parkplatz auf, und dieses Mal sind wir richtig. Wir stehen vor dem Besucherzentrum der Höhlen von Škocjan, die in ihrem Inneren den größten bekannten unterirdische Canyon der Welt hüten. Seit ihn die UNESCO zum Welt- und Naturerbe erhoben hat, strömen Gruppen von Ausflüglern durch die Kavernen. Nahe einem Dorf im Südwesten Sloweniens dringen sie in einen Mikrokosmos ein, der die Besucher staunen lässt. Die Höhlen von St. Kanzian, so ihr deutscher Name, sind immer noch das „schauerliche Naturwunder“, das Sigmund Freud bei seiner Besichtigung im Frühjahr 1898 sah, ein „Flusslauf durch großartige Gewölbe, Wasserfälle, Tropfsteinbildungen, Nacht, schlüpfrige, mit eisernen Geländern versicherte Wege. Der reinste Tartarus“.
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