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Man möchte sofort ein Romantikpaket buchen: In den Hügeln der Côte d’Azur liegt die alte Kreuzfahrerburg. Bild: Oetker Collection

Luxushotel an der Côte d’Azur : Fernab von allen roten Teppichen

Wenn das Filmfestival in Cannes überstanden ist, ziehen sich die Stars gern in die Berge zurück – ins Château Saint-Martin zum Beispiel.

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          Vence lassen die meisten Besucher der Côte d’Azur links liegen. Der Name dieses Örtchens dürfte nur Matisse-Liebhabern etwas sagen, der Künstler zog sich in den vierziger Jahren hierhin zurück und entwarf die Rosenkranzkapelle der Dominikanerschwestern. Wenn sich Touristen nach Vence verirren, dann zumeist wegen der schönen Glasfenster in ebenjener Kapelle. Es gibt aber noch einen weiteren Grund, nach Vence zu kommen: das Luxushotel Château Saint-Martin&Spa auf dem Hügel über der Ortschaft. Die Stars ziehen sich hierher zurück, wenn im Frühjahr das Filmfestival in Cannes nach zehn Tagen zu Ende ist – auch Angelina Jolie will mal ihre Ruhe haben. Und so windet sich unser Wagen über verschlungene Straßen in die Höhe. Vor einer halben Stunde sind wir im Gewimmel am Flughafen Nizza gestartet. Nun werden die Häuser kleiner, in der Luft liegt Vogelgezwitscher statt Autohupen, dann öffnet sich ein schmiedeeisernes Tor, und ein weißer Kiesweg knirscht unter den Reifen. Kein Wunder, dass die Oetker-Familie das Château sofort kaufen wollte, als sie davon hörte.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Anfang der neunziger Jahre war das. Rudolf und Maja Oetker besaßen bereits zwei Hotels, eines in Baden-Baden und eines an der Côte d’Azur, das Hotel du Cap-Eden-Roc. Letzteres existiert schon so lange, dass F. Scott Fitzgerald in seinem Roman „Zärtlich ist die Nacht“ darüber schrieb: „Am freundlichen Ufer der französischen Riviera, ungefähr auf halbem Weg zwischen Marseille und der italienischen Grenze, steht ein großes, stolzes, rosenfarbenes Hôtel. Höfliche Palmen kühlen die errötende Fassade, vor der ein kurzer, leuchtender Strand liegt. Vor zehn Jahren blieb es meist völlig verlassen zurück, wenn im April die englische Kundschaft wieder nach Norden zog; erst neuerdings ist es zur Sommerfrische für Modebewusste und Prominente geworden.“

          Fitzgerald, Marlene Dietrich und die Kennedys

          Zu ebenjenen Modebewussten und Prominenten zählten Fitzgerald und seine Frau Zelda. Mit ihnen kam der Jetset. Marlene Dietrich und die Kennedys zogen ihre Bahnen im Meerwasserpool, der seit 1914 in das Felsenbecken über den Meeresklippen eingelassen war, und tranken Champagner-Cocktails an der Bar. Dann, so will es die Legende, schipperte das Ehepaar Rudolf und Maja Oetker im Jahr 1964 mit seinem Boot um die Klippen des Hôtel du Cap-Eden-Roc. Rudolfs Großvater hatte 1891 in Bielefeld das Backpulver erfunden und damit den Grundstein für einen der ältesten Familienkonzerne Deutschlands gelegt. Nun also träumte Maja Oetker vom Fitzgerald-Charme des Hotels auf den Klippen über Antibes. In François Simons Buch „Hôtel du Cap-Eden-Roc“ erzählt sie von „der blütenweißen Wäsche, dem beeindruckenden Weinkeller und der glänzenden alten Küche mit den Kupferpfannen“. Fünf Jahre später stand das Hotel tatsächlich zum Verkauf, und die Oetkers erwarben es. Die Einrichtung wurde sanft auf Vordermann gebracht, das Publikum blieb.

          Und das Hotel vor Antibes sollte nicht der einzige Besitz der Oetkers an der Côte d’Azur bleiben. Vom Château in den Hügeln über Nizza erfuhr das Paar zwar erst zwei Jahrzehnte später, kaufte es dann aber prompt im Jahr 1994. Die Geschichte des Gebäudes geht zurück bis in die Zeit der Templer. Als deren Ritter um 1150 von einem Jerusalem-Kreuzzug zurückkehrten, erhielten sie vom Grafen der Provence das Land und erbauten hier ihr Schloss. Wenn der Wagen über den weißen Kiesweg knirscht, passiert er die älteste Mauer des Anwesens. Der Wein, der sich dort entlangrankt, soll von den Rittern aus Jerusalem mitgebracht worden sein, so erzählt man sich.

          Geräumige Suite mit Terrasse Bilderstrecke

          Bevor man das Hotel betritt, öffnen sich linker Hand des Eingangs zwei schmale Flügeltüren in die Kapelle. Viel kleiner als der Matisse-Bau unten im Ort, aber ebenfalls seit kurzem von einem Künstler gestaltet. Der marokkanische Maler Erick Ifergan lässt einen Baum über die Wände ranken. Das Hotel bietet die Kapelle für Hochzeiten an und weist bei seinem Romantik-Paket die pragmatischeren Besucher darauf hin, dass sich die große luftige Sommerterrasse mit Blick zur Küste ganz hervorragend für Verlobungsanträge eignet. Bevor wir uns ansehen können, ob die Zimmer sich für Verlobungsfeierlichkeiten auch hervorragend eignen, schlendern wir durch den weitläufigen Garten Richtung Pool.

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