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Schloss Leopoldskron : Immer fest spielen

  • -Aktualisiert am

Mozart war da und später auch Hollywood: „The Sound of Music“ wurde hier zum Teil gedreht, und noch immer geht es vor allem um die schönen Künste: Schloss Leopoldskron. Bild: WITT Pierre / hemis.fr

Vom Marshallplan des Geistes: Ein Besuch auf Schloss Leopoldskron, dem Ort, an dem die Salzburger Festspiele gegründet wurden.

          6 Min.

          Neulich wurde im Marmorsaal von Schloss Leopoldskron die Premiere von „Idomeneo“, der diesjährigen Eröffnungsoper der Salzburger Festspiele gefeiert. Alles, was Rang und Namen, viel Geld und Geschmack hat, war in den pompös beleuchteten Festsaal gekommen, um zusammen mit Starregisseur Peter Sellars und Stardirigent Teodor Currentzis das Glas zu heben. Es wurde gefeiert, gejubelt und getanzt, und irgendwann weit nach Mitternacht rief Currentzis noch einmal seinen berühmten Chor zusammen und dirigierte ihn ekstatisch von der Empore herab.

          Die Besucher waren begeistert und hörten gar nicht mehr auf zu klatschen. Ein bisschen war alles wie damals, als hier in der wunderschönen Sommerresidenz eines romantisch veranlagten Salzburger Fürsterzbischofs der junge Mozart vorspielte. Gefördert wurde das Wunderkind von dem kunstliebenden Graf Laktanz, der nicht nur eine großartige Gemäldesammlung mit Werken von Rembrandt, Rubens und Dürer im Schloss unterbrachte, sondern eben auch ein Liebhaber der Musik war. Und doch ist die Geschichte des Schlosses Leopoldskron vor allem mit einem anderen Namen verbunden: Max Reinhardt. Der einflussreichste Theatermann seiner Zeit kaufte das im 19. Jahrhundert in verschiedene Hände geratene Schloss im April 1918 und baute es zu seinem idealen Ort um. Vor den Toren von Salzburg an einem verwunschenen Weiher gegenüber von einem imposanten Berg gelegen, war das Schloss für Reinhardt von Beginn an mehr Spielstätte als privater Rückzugsort. Hier ließ er Theaterinszenierungen aufführen und trat selbst als Schauspieler auf. Besucher wurden durch den Garten und in die verschiedenen Salons geführt und ließen sich in eine zauberhafte Traumwelt ziehen.

          Herzstück des Schlosses war und ist die Bibliothek, die Reinhardt nach dem Vorbild der Stiftsbibliothek in Sankt Gallen entwarf. Hier steht man staunend inmitten eines Bücherparadieses, das sich auf zwei Ebenen verteilt. Durch die offenen Fenster fällt der Blick auf die schwimmenden Schwäne im See, draußen plätschert ein alter Brunnen, drinnen quietscht das alte Parkett bei jedem Schritt. Hinter einem der Regale führt eine versteckte Treppe in Reinhardts ehemalige Schlafgemächer, auf einem Sekretär am Fenster steht noch seine alte Schreibmaschine. Über sein Schloss, das dem jüdischen Regisseur 1938 von den Nationalsozialisten entrissen wurde, schrieb er kurz vor seinem Tod aus dem amerikanischen Exil: „Hier habe ich achtzehn Jahre gelebt, wirklich gelebt. Ich habe jedes Zimmer, jeden Tisch, jeden Sessel, jedes Licht, jedes Bild gelebt. Es waren meine schönsten, reichsten und reifsten Jahre. Ich habe es verloren, ohne zu jammern. Ich habe alles verloren, was ich hineingetragen habe. Es war der Ertrag meiner Lebensarbeit.“

          Chattend in der Bibliothek

          Hier, in Leopoldskron, entwickelte Reinhardt gemeinsam mit dem Dichter Hugo von Hofmannsthal und dem Komponisten Richard Strauss die Idee der Salzburger Festspiele. Abendelang saßen die drei im roten Salon an einem massiven Holztisch und arbeiteten an ihrem Entwurf eines „Theaters für die Menschen“. Was am 22. April 1920 mit einer Aufführung des „Jedermann“ auf dem Domplatz unter freiem Himmel begann, hat sich inzwischen zu einem international begehrten Programm von Musik, Oper und Sprechtheater erweitert. Bei den Salzburger Festspielen, die nächstes Jahr ihr hundertstes Jubiläum feiern, finden mittlerweile 199 Aufführungen an 43 Tagen in 16 Spielstätten statt. Der Tisch, an dem ihre Gründung beschlossen wurde, steht noch immer so dort, wie ihn die drei Künstler verlassen haben: bedeckt von einem roten Tuch, umsäumt von zwölf gepolsterten Stühlen. Die minutiöse Restaurierung des Stucks an der Decke wurde finanziert von einem amerikanischen Mäzen.

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