https://www.faz.net/-gyl-9z7mr

Digitaler Unterricht : Eine Schule stellt komplett um

Der Gymnasiast Felix Karbstein schreibt mit, was sein Physiklehrer Christian Wagner erklärt. Bild: Kombo, Jan Roeder

Tausende Schulen in Deutschland mussten Knall auf Fall ihre Schüler zu Hause unterrichten. Eine Schule in Straubing hat sich deshalb komplett digitalisiert. Das Hauptproblem ist aber gar nicht immer die Technik.

          5 Min.

          Heute wäre unser letzter Schultag gewesen“, sagt Felix Karbstein. Der 17 Jahre alte Schüler mit dunklen Haaren und Brille wirkt schon etwas wehmütig. Es ist ein Freitag im April, genau heute hätte für die 12. Klassen in Bayern der Unterricht geendet und wäre die Übungszeit vor den Abiturklausuren angebrochen. Wäre, wenn das neuartige Coronavirus sich nicht vorher seinen Weg nach Deutschland gebahnt hätte. Stattdessen war eine Woche zuvor eine Vollversammlung der Oberstufe einberufen worden. „Wir sehen uns wahrscheinlich nicht mehr wieder“, hieß es dort. Nun sitzt der Abiturient des Anton-Bruckner-Gymnasiums im niederbayerischen Straubing zu Hause und erhält den Lernstoff von seinen Lehrern auf elektronischem Wege. „Das Bruckner“, wie die Schule meist nur genannt wird, hat, konfrontiert mit der Corona-Krise, ein Videokonferenzsystem eingerichtet. Schon in der ersten Woche mit dem neuen System wurden jeden Tag bis zu 75 Videositzungen für das abgehalten, was früher einmal Unterrichtsstunden waren.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Zu Beginn gab es schon einige Probleme“, sagt Felix. Sein Physiklehrer Christian Wagner in dem kleinen Videofenster auf seinem Bildschirm pflichtet ihm bei. In Zeiten von flächendeckendem Homeoffice findet natürlich auch das Gespräch mit den beiden per Videokonferenz statt. Einige Schüler hätten zu Hause keine ausreichende Internetbandbreite gehabt, der Umgang mit dem System und die Einrichtung von Mikrofon und Kamera hätten bei einigen etwas gehakt. Doch nach kleineren Ruckeleien habe sich alles stabilisiert; inzwischen laufe es wirklich gut. Schüler bekämen eine Einladung zu den Videokonferenzen per E-Mail und könnten sich dann zur Klasse oder zum Kurs dazuschalten. Beginne der Lehrer dann, etwas zu erklären, gelte meist die Vereinbarung, Kamera und Mikrofon wieder auszuschalten, auch um die Internetverbindung zu schonen.

          „Präsenzunterricht ist durch eine Videokonferenz nicht zu ersetzen“, sagt Wagner. Doch in der Ausnahmesituation der Viruskrise schlössen die Videosequenzen eine wichtige Lücke. „Wenn ich die Begeisterung eines Lehrers in seinen Augen sehe – das macht doch guten Unterricht aus“, sagt Felix. Damit die Videokonferenzen der einzelnen Kurse sich nicht überschneiden, folgt ihr Zeitplan weitgehend dem normalen Stundenplan. Zusätzlich haben die Schulen in Bayern noch eine „Mebis“ genannte Online-Plattform, über die Arbeitsbögen und ähnliche Materialien verteilt werden können.

          „Möglichkeit, etwas auszuprobieren“

          Das Bruckner-Gymnasium ist ein Beispiel dafür, wie die Corona-Krise das chronisch digitalisierungsskeptische Deutschland auch voranbringen kann. „Das, was wir jetzt hier aufgesetzt haben, wäre unter normalen Umständen nicht möglich gewesen“, sagt Schulleiterin Eva Huller. Sie ist eine der wenigen, die trotz Schließung im Schulhaus geblieben ist; während des Videotelefonats ertönt hinter ihr der Gong zur fünften Stunde. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, etwas auszuprobieren“, sagt sie. Dennoch sei man über den Datenschutz nicht hinweggegangen: Das System Cisco Webex, das die Schule für die Videokonferenzen einrichtete, trägt die strenge C5-Zertifizierung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). „Wir haben so eine bestmögliche Datensicherheit“, sagt Huller.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bela B Felsenheimer von Die Ärzte

          Künstler gegen Viagogo : Und das soll Demokratisierung sein?

          Wer im Internet Konzertkarten kauft, landet oft bei der Ticketbörse Viagogo. Bands wie Rammstein und Die Ärzte wehren sich gegen den Zweitmarkt für Eintrittskarten, der wächst – und Besuchern überteuerte oder ungültige Karten andreht.
          Handwerker installieren Solarmodule auf dem Dach: Kann die Vision der autarken und unbegrenzten Energieversorgung Wirklichkeit werden?

          Photovoltaik in Deutschland : Auferstanden aus Ruinen

          Nach Jahren der Krise fasst die Solarbranche in Deutschland wieder Mut. Ein Energieberater erklärt, was es von A bis Z alles zu beachten gilt – und nicht nur in Dresden leben alte Träume fort.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.