https://www.faz.net/-gum-9l3om

Zyklon „Idai“ in Südostafrika : Kinder trinken in der Not verunreinigtes Wasser

  • Aktualisiert am

Die Schäden, die der Zyklon „Idai“ anrichtete, sind verheerend. Bild: AFP

Der Zyklon „Idai“ hat in Südostafrika verheerenden Schaden angerichtet. Hunderttausende Menschen werden nach Einschätzung des Welternährungsprogramms monatelang auf Hilfe angewiesen sein.

          2 Min.

          Eine Woche nach dem Durchzug des Tropensturms „Idai“ im südlichen Afrika wird die Lage immer dramatischer. Wie Helfer am Donnerstag mitteilten, sind in Moçambique, Zimbabwe und Malawi inzwischen mindestens 2,6 Millionen Menschen von den Folgen des Zyklons betroffen. Die Zahl der Toten wird auf rund 1.100 beziffert. Durch weitere Regenfälle drohten neue Überschwemmungen. In einigen Gebieten stehe das Wasser bis zu acht Meter hoch; mehrere Staudämme in Moçambique und Zimbabwe drohen laut World Vision zu bersten, weil deren Aufnahmekapazität erschöpft ist.

          In Moçambique harren laut dem WFP viele Menschen immer noch auf Bäumen und Dächern aus. Nach Darstellung der Hilfsorganisation SOS-Kinderdorf sind in Moçambique rund 260.000 Kinder in einer lebensbedrohlichen Situation. „In ihrer Not trinken sie verunreinigtes Wasser“, sagte die Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf Österreich, Elisabeth Hauser, am Donnerstag in Wien. Ein Einsatzteam der Organisation hatte am Mittwoch die vom Tropensturm „Idai“ fast völlig zerstörte Hafenstadt Beira erreicht. Es sei nur eine Frage von Tagen bis Krankheiten ausbrächen, denn die sanitäre Infrastruktur sei komplett zerstört, so der örtliche SOS-Kinderdorf-Einsatzleiter Simiao Mahumana. „Kinder, deren Eltern getötet wurden oder die im Chaos der Katastrophe von ihren Eltern getrennt wurden, sind jetzt völlig auf sich alleine gestellt.“

          Seit längerem bestehende Missstände

          Der Zyklon „Idai“ mit der Stärke vier von fünf traf in der Nacht zum vergangenen Freitag mit Windböen von bis zu 160 Stundenkilometer vom Indischen Ozean her auf die Küste von Moçambique. Besonders betroffen ist dort die Hafenstadt Beira. In der vom Sturm verwüsteten 500.000-Einwohner-Metropole sitzen derzeit Helfer mehrerer Organisationen fest, wie Oxfam mitteilte.

          Auch in andere Katastrophengebiete gestaltet sich der Zugang teilweise äußert schwierig. Im Zimbabwe sind laut Oxfam Straßen unpassierbar, Rettungshubschrauber müssen wegen des schlechten Wetters am Boden bleiben. Selbst Armee-Einheiten hätten manche Gegenden nur zu Fuß erreichen können. Allein in einem Bezirk in Zimbabwe an der Grenze zu Moçambique seien 200.000 Menschen für die nächsten drei Monate auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, sagte der Sprecher des Welternährungsprogramms (WFP), Herve Verhoosel, am Donnerstag in Genf.

          Vielen Menschen fehlt den Angaben zufolge der Zugang zu sauberem Trinkwasser, es droht die Ausbreitung von Seuchen. Ein weiteres Problem seien rasant steigende Lebensmittelpreise. Weil Sturm und Regen Ernten und Saatgut in Massen zerstört hätten, würden Nahrungsmittelengpässe auch in absehbarer Zukunft das Leben der Menschen im südlichen Afrika bestimmen, warnte der Nothilfe-Koordinator von Care, Wolfgang Tyderle, im Deutschlandfunk. „Das ist eine Langzeitkrise, die da auf uns zukommt.“

          Die Partnerorganisation von medico international, Comunity Working Group on Health, erklärte, der Sturm habe seit längerem bestehende Missstände im Gesundheitswesen in Zimbabwe offengelegt. „Wir hoffen, dass die internationalen Gesundheitsorganisationen und die Regierung von Zimbabwe nicht nur mit Notfallmaßnahmen auf den Zyklon reagieren, sondern die Basisgesundheitsversorgung insgesamt verbessern.“

          Die Welthungerhilfe zeigte sich unterdessen hochgradig besorgt über die Situation in Malawi. Dort hätten starke Regenfälle bereits Anfang März zu Überschwemmungen geführt, von denen Hunderttausende Menschen betroffen seien. Das Land leide darüber hinaus ohnehin schon massiv an den Folgen des Klimawandels, vor allem unter Dürren und Überschwemmungen.

          Topmeldungen

          Brexit-Deal : Kein Tag der Entscheidung

          Auch Boris Johnson ist nicht immun gegen das, was seiner Vorgängerin Theresa May widerfahren war. Mehr als drei Jahre nach dem Referendum liegt der Austritt des Vereinigten Königreichs weiter im Nebel. Vielleicht kann das bei einem Thema von dieser Bedeutung nicht anders sein.
          Ohne Worte: Die Bayern um Manuel Neuer sind enttäuscht.

          Wildes Spiel in Augsburg : Später Bayern-Schock nach Lewandowski-Rekord

          In der Anfangsphase gibt es für den FC Bayern gleich zwei schlechte Nachrichten: Ein früher Rückstand und ein wohl langer Ausfall von Niklas Süle. Danach sieht es auch dank Lewandowski lange gut aus, ehe in der Nachspielzeit alles noch schlimmer kommt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.