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Absturz in Kolumbien : Überlebende Stewardess berichtet von technischen Problemen

  • Aktualisiert am

Ermittler suchen nach der Ursache des Unglücks. Bild: Reuters

Eine knappe Minute vor dem Absturz des Flugzeugs in Kolumbien haben die Lichter im Flugzeug angefangen zu flackern. Das berichtet eine Überlebende. Einem verletzten Torwart droht der Verlust beider Beine.

          Ein Stadion ist ein Ort der Emotionen, des Mitfieberns, des Jubels. Die Arena Condá, ein kleines Stadion für 22.500 Zuschauer in der südbrasilianischen Stadt Chapecó ist nur noch ein Ort des Trauerns. Kann hier jemals wieder gejubelt werden? 19 Profis dieses so märchenhaft aus der vierten Liga bis in die südamerikanische Elite aufgestiegenen Provinzclubs AF Chapecoense sind tot. Eine Rose hängt im Tornetz.

          Nachdem die schrecklichen Nachrichten aus dem fernen Kolumbien Gewissheit wurden, platzte die Kathedrale Santo Antônio aus allen Nähten. Menschen in den grünen Trikots des Vereins fassten sich an den Händen, weinten, jeder kannte hier die Spieler, der Verein war der ganze Stolz dieser stark von italienischen und deutschen Einwanderern geprägten Region. Priester Igor Damo ist selbst großer Fan und war im Trikot am Stadion, um Angehörige der Opfer zu trösten, berichtete das Portal „Folha de S. Paulo“. Zur Überwindung eines Schicksals, das wie eine Verkettung unglücklicher Ereignisse anmutet.

          Trotz Problemen in Warteschleife

          Chapecoense musste auf dem Weg zum Finalhinspiel um den Südamerika-Cup gegen Atlético Nacional aus Medellín zu einem Plan B greifen, weil die brasilianische Luftfahrtbehörde einen Direktflug von São Paulo nach Medellín verweigert hatte. Erst ging es per Flug nach Santa Cruz in Bolivien, von dort mit einem Charterflugzeug vom Typ Avro RJ85 der in Bolivien gemeldeten Gesellschaft Lamia Richtung Medellin. Experten betonen, dass die Reichweite des Flugzeugs nur knapp für diese Distanz von 2500 Kilometern reiche.

          Dass das Flugzeug nicht explodiert sei, kann ein Indiz für Treibstoffmangel sein. Die überlebende Stewardess Ximena Suárez (27) berichtete, dass das Licht im Flieger 40, 50 Sekunden vor dem Absturz ausgegangen sei. Zudem gibt es Spekulationen, dass kurz vorher ein anderes Flugzeug ebenfalls erhebliche Probleme hatte und um eine sofortige Landung bat – danach geriet der Chapecoense-Flieger in Probleme, musste aber noch anscheinend in eine Warteschleife.

          „Die Spieler waren so glücklich“

          Vizepräsident Ivan Tozzo berichtete mit tränenerstickter Stimme: „Die Spieler waren so glücklich.“ Was hatten sie hier vor einer Woche noch gejubelt, als der Club daheim durch ein 0:0 gegen San Lorenzo den sensationellen Einzug in das Finale des Südamerika-Cups, der Copa Sudamericana, geschafft hatte. Das Hinspiel in Buenos Aires gegen den Lieblingsclub von Papst Franziskus war 1:1 ausgegangen, das erzielte Auswärtstor reichte zum bisher größten Erfolg des Clubs.  Papst Franziskus ließ mitteilen, das Unglück habe ihn „erschüttert“, und er bete für die ewige Ruhe der Toten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kondolierte Brasiliens Staatspräsidenten Michel Temer.

          Der traurigste Fußballclub der Welt. Bilderstrecke

          Auch der damalige Held, Torwart Danilo, der in der 95. Minute mit einer Glanzparade den K.o. verhinderte, ist nun tot. Die Bilder der in der Kabine tanzenden Spieler, eine Woche alt, wirken unwirklich. Drei Spieler, ein Journalist, die Stewardess und ein Pilot überlebten wie durch ein Wunder, aber die meisten werden für immer gezeichnet sein. Ersatzkeeper Jackson Follmann musste das rechte Bein amputiert werden, er droht auch das linke Bein zu verlieren. Teamkollege Neto erlitt Brüche und ein schweres Schädeltrauma. Abwehrspieler Alan Ruschel könnte durch den Absturz querschnittsgelähmt sein.

          Auch 20 Journalisten starben

          Führende Teams der Serie A in Brasilien und Clubs aus dem Ausland bieten nun das Ausleihen von Spielern an, zudem wird eine Sonderregel geprüft, wonach der Club die nächsten drei Jahre nicht in die zweite Liga absteigen kann. Zudem könnte der Titel des Südamerika-Cups 2016 an Chapecoense gehen. Aber das ist erst einmal Nebensache. Ende der Woche werden die Leichen von Spielern und Betreuern überführt.

          Auch 20 Journalisten, die den Club begleiteten, starben. Auch der frühere brasilianische Nationalspieler Mário Sérgio Pontes da Paiva (66). Er reiste als Sportjournalist von Fox Sports mit dem Team nach Medellín. 1983 war Mario Sérgio einer der Bezwinger des Hamburger SV beim 2:1-Sieg von Grêmio Porto Alegre im Weltpokal-Endspiel in Tokio.

          „Chapecoense ist wie eine Familie“, betont Vizepräsident Tozzo. In Brasilien, wo sich immer alles schnell ändert, sei der Verein für viele die zweite Familie gewesen. Der Cristo in Rio de Janeiro wurde zum Gedenken grün angestrahlt, ebenso der Bogen über dem Londoner Wembley-Stadion. Fußball-Legende Pelé schrieb bei Twitter: „Brasiliens Fußball ist in Trauer. Das ist so ein tragischer Verlust.“

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