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Junge Leistungssportler : Der erste Matchball ist der längste

  • -Aktualisiert am

1800 Kilometer entfernt von zu Hause: Maxi­milian in der Akademie. Bild: Philipp Schulte

Katharina und Maximilian leben der deutschen Heimat entfernt im Tennisinternat des Profis Rafael Nadal auf Mallorca. Sie trainieren jeden Tag – ihr Spiel und ihr Selbstbewusstsein.

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          Als 20 Minuten auf der roten Asche von Platz 3 ab­solviert sind, erkennt Maximilian Ebenburger die Schwachstelle seines Gegners: die Rückhand. Das ist auch dringend nötig, denn der 16-jährige Bayer liegt mit 1:4 im ersten Satz zurück. Sein Kontrahent hier, bei den „Rafa-Nadal-Open“ in Manacor im Osten Mallorcas, ist ein gleichaltriger Einheimischer aus dem Nachbarort Porto Cristo. Es läuft die erste Runde – und Maximilian muss sich steigern.

          An diesem Sonntagvormittag spielt er zu Hause: auf einem der 45 Plätze der „Rafa-Nadal-Academy“. Sie ist ein europaweit einzigartiges Tennisinternat für Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren. Der 20-fache Grand-Slam-Sieger Nadal gründete sie 2016 in seinem Heimatort auf der Insel. Vormittags lernen die Jugendlichen in ei­ner internationalen Schule, nachmittags heben sie Hanteln, springen Seil und trainieren Vorhand. Oder umgekehrt.

          Kurz nach ih­rem zwölften Geburtstag flog die Berlinerin Katharina Koopmann mitsamt ihrer Tennisschläger nach Mallorca.
          Kurz nach ih­rem zwölften Geburtstag flog die Berlinerin Katharina Koopmann mitsamt ihrer Tennisschläger nach Mallorca. : Bild: Philipp Schulte

          Die Academy ist mittlerweile genauso bekannt wie die ehemalige Tennisschule von Nick Bollettieri in den Vereinigten Staaten. Nadal, so hat er selbst erklärt, freut sich, wenn einer der Jugendlichen seines Internats Profi wird; für ihn sei es aber auch wichtig, dass die Heranwachsenden ihre Persönlichkeit entwickeln.

          Andere Tennisprofis verlegen ihren Wohnsitz aus Steuergründen nach Monte-Carlo, Nadal lebt offiziell in seiner Ge­burtsstadt. Hier zieht er sich Gummi­stiefel an, um nach einem Unwetter im Nachbarort Schlamm wegzufegen. 2018 war das, eine Sturzflut in Sant Llorenç riss 13 Menschen in den Tod. Mit seiner Jacht „Great White“ schippert der Tennisprofi an der Ostküste entlang und postet Fotos in Badehose. Hier spielt er hin und wieder mit den Schülern seines Internats Tennis. Die zu Ende gegangene Saison hatte Nadal im August wegen Problemen am linken Fuß abgebrochen. Seit Ende Dezember hält er sich in Melbourne auf, wo die Tour im Januar traditionell startet.

          156 Schüler aus 43 Ländern beherbergt die 7,5 Hektar große Akademie, 300 Angestellte kümmern sich um sie. Darunter sind 45 Trainer, Physiotherapeuten, Sportpsychologen, Ernährungsexperten. Es gibt ein Fitnessstudio, einen Fußballplatz, Spa, Schwimmbad, Pool, Restaurant, Kantine, Hotel – und das Rafael-Nadal-Museum. Dort stehen Nadals Po­kale, hängen das Shirt und die Hose, die er während eines mehrstündigen Finals in Wimbledon trug.

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          Bis zu einer Teilnahme am bedeutendsten Tennisturnier der Welt auf dem Rasen in London dürfte es für Maxi­milian Ebenburger noch ein weiter Weg sein. Sein größter Erfolg ist ein dritter Platz bei den oberpfälzischen Meisterschaften. Und gerade kämpft er bei dem Turnier in Manacor um den Einzug in die zweite Runde, die das Viertelfinale bedeutet. Maximilian macht nun auf der roten Asche von Platz 3 viele Punkte, weil der Rückhand-Unterschnitt seines Gegners zunehmend im Netz landet. Er selbst schlägt eine Rückhand unerreichbar die Linie herunter, ballt die Faust und wischt sich die verschwitzten Haare aus der Stirn. Wenige Minuten später gleicht er zum 4:4 aus.

          Im September 2020 wanderte Maxi­milian nach Mallorca aus. Da war er 15. Geplant war eigentlich nur ein Jahr, nun lebt er schon 16 Monate in Manacor, das 43.000 Einwohner und zahlreiche Windmühlen hat. Ist Maximilian auf die Insel gekommen, um Profi zu werden? „Eher weniger“, sagt er. „Dafür hätte ich früher anfangen müssen, Tennis zu spielen.“ Melbourne, Miami, Basel: Der Wunsch, als professioneller Spieler jede Woche in einer anderen Stadt auf der Welt ein Turnier zu absolvieren, stecke aber in ihm drin: „Wenn man nie seinen Träumen nachgeht, kann es auch nichts werden.“

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