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Elisabeth II. in Berlin : Weil der Bentley nicht schwimmt

Dem Volke zugewandt: Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt mit Königin Elisabeth II. und Prinz Philip auf der Spree Bild: AP

Elisabeth II. und ihr Mann Prinz Philip sind zu Gast in der deutschen Hauptstadt. Die Berliner freuen sich – und die Queen winkt ihnen ganz zart.

          Es kommt Wind auf am Mittwochmorgen, kurz vor zehn Uhr. Die Queen wankt, sie droht umzufallen. Glücklicherweise gibt es einen festen Griff in ihrem Rücken, so dass eine Frau mit einem Rucksack sie gerade noch rechtzeitig festhalten kann. Diese Queen ist ein Modell aus Pappe, lebensgroß, weiß gekleidet, ohne Hut. Bis die echte Königin Elisabeth II. aus dem Hotel Adlon kommt – mit Hut –, ist sie somit hinter der Absperrung unter den Fans und Journalisten immerhin optisch präsent. Warten auf die britische Königin am zweiten Tag ihres Deutschland-Besuchs, dem ersten Tag mit Programm.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Wer auch immer neugierig ist, der hat gute Gelegenheit, diese Neugierde zu stillen. Die Absperrgitter vor dem Hotel Adlon, in dem die Königin und ihr Mann während des Besuchs wohnen, sind so aufgestellt, dass jedermann nah an den Eingang herankommt ohne jede Kontrolle. Die letzten zehn Meter sind verbotenes Terrain. Auch der Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor, westlich des Hotels, ist fast vollständig frei begehbar. Anfangs stehen gut hundert Menschen vor dem Hotel. Je näher das Auftauchen des königlichen Paares rückt, desto mehr werden es. Doch eine ähnlich große Traube steht mit dem Rücken zum Hotel und bestaunt das Tor. Berlin erfreut sich am Besuch der britischen Monarchin, aber in einem Queen-Rausch ist es nicht. Ein Mann fragt vor dem Adlon seinen Nachbarn: „Du warst doch auch dabei, als Michael Jackson hier war?“ „Ja“, lautet die Antwort. „Da war es viel voller.“ Der Popstar hatte im Jahr 2002 im Adlon übernachtet und seinen kleinen Sohn aus dem Fenster gehalten.

          Nicht nur die Schaulustigen warten, auch all diejenigen, die dafür zuständig und verantwortlich sind, dass jeder Schritt des königlichen Paares gut vorbereitet ist und sicher im geplanten Zeitrahmen geschritten werden kann. Dutzende Polizisten stehen um die Limousinen und ihre Fahrer herum. Der Bentley der Queen wartet auf der gegenüberliegenden Seite, schräg vor der Vertretung der Europäischen Union in Berlin, darauf, vorfahren zu können. Ein Mann mit Regenjacke und Hund umstreicht die Limousinen, der Hund schnuppert sie gründlich ab, der Sicherheit wegen. Der rote Teppich vor den vier Stufen, die vom Bürgersteig in die Hotellobby führen, wird weggenommen und wieder hingelegt. Eine Mitarbeiterin bearbeitet ihn mit dem Staubsauger, als solle von ihm gegessen werden. Eine andere Mitarbeiterin poliert die Scheiben der Hoteltüren. Solange das geschieht, ist noch nicht damit zu rechnen, dass die Queen auftaucht. Das Personal wird per Funk unterrichtet, wann es losgeht. Wer für eine Königin arbeitet, der braucht Geduld.

          Schippern vom Bellevue zum Kanzleramt

          Schließlich, um 10.25 Uhr, ist es so weit. Elisabeth II. und Prinz Philip kommen aus dem Hotel. Die Luft ist unfreundlich kühl, aber trocken. Sie gehen langsam, dem Stande und dem Alter angemessen, aber dennoch geht alles ganz schnell. Die Königin besteigt den Bentley, der Prinz folgt ihr. Bislang alles ohne Gruß ans Volk. Dann gibt es doch noch eine Kostprobe des weltberühmten Winkens, ein zarter Gruß der Königin mit der Hand, durch die Scheiben des Wagens. Bevor dieser sich zum Schloss Bellevue aufmacht, zum Bundespräsidenten, hebt auch Prinz Philip kurz die Hand.

          Joachim Gauck und Daniela Schadt sind die Gastgeber der Königin und ihres Mannes in diesen Tagen. Nachdem ein Deutschland-Besuch der beiden schon länger ins Auge gefasst worden war, wurde die Einladung vor einem halben Jahr formal angenommen und der Termin festgelegt. Der Empfang im Schloss Bellevue ist der erste offizielle Punkt auf dem Programm, das bis Freitag dauern wird. Begrüßt wird die Queen nicht nur von Gauck und Schadt, sondern – abermals – von einigen hundert Berlinern und Touristen, die der Königin, der Monarchie, Großbritannien oder wem auch immer von der gegenüberliegenden Straßenseite zujubeln. Aber die Queen hat keine Augen für sie, auch nicht für die Handvoll Demonstranten, die für die Rechte der Aborigines in Australien, deren Staatsoberhaupt Elisabeth II. ebenfalls ist, werben.

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