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Aktienanalyse : Rosige Aussichten für SAP

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Höher, schneller, weiter: SAP bricht derzeit einen Rekord nach dem anderen. Bild: Röth, Frank

SAP ist auf der Überholspur. Und Analysten zufolge hat die Aktie der Softwareschmiede noch immer Potential nach oben. Cloud Computing und ein Angriff auf Konkurrent Oracle sollen den erfolgreichen Weg in die Zukunft ebnen.

          SAP ist auf der Überholspur. Nach Rekordergebnissen in den vergangenen beiden Geschäftsjahren, deutlichen Hinweisen des Vorstandes auf ein nachhaltiges Wachstum und einen abermals gut gefüllten Produktkanal gehen Aktienanalysten führender Wertpapierhäuser davon aus, dass der Kurs der Software-Aktie in den kommenden Monaten weiter zulegen wird. Im bisherigen Verlauf dieses Jahres stieg der Kurs um mehr als 35 Prozent. So wird das Unternehmen momentan an der Börse mit 67,8 Milliarden Euro bewertet. Damit ist die Walldorfer Softwareschmiede nach Siemens und vor dem Chemieanbieter BASF das zweitteuerste Unternehmen im für den deutschen Aktienmarkt richtungweisenden Index Dax.

          Ein Ende dieser Entwicklung scheint nicht in Sicht zu sein. Der Vorstand peilt für das Jahr 2015 an, die Umsatzhürde von 20 Milliarden Euro zu überspringen und weiterhin mit einer am Umsatz gemessenen Gewinnspanne von rund 30 Prozent zu arbeiten, die höchste Marge, die ein Unternehmen aus dem deutschen Leitindex derzeit aufweist. Mit jährlichen Umsatz-Wachstum-Raten zwischen 20 und 40 Prozent ist SAP schon seit drei Jahren das am schnellsten wachsende Unternehmen im Dax.

          Aktie von SAP hat Potential nach oben

          Das hat die Anleger in den vergangenen Monaten massenhaft zu den Aktien des Konzerns greifen lassen. Das dürfte sich in den kommenden Quartalen kaum ändern. Denn viele Kundenunternehmen von SAP investieren im großen Stil in ihre digitale Infrastruktur. Sie rüsten ihre Softwareprogramme weiter auf oder greifen auf die IT-Dienstleistungen wie Software-aus-der-Steckdose (Software-as-a-Service (SaaS) zurück, die SAP über seine hauseigenen Rechenzentren in aller Welt anbietet.

          Das sollte sich auch weiterhin in steigenden Aktienkursen niederschlagen. Kostet ein Papier der Walldorfer derzeit etwas mehr als 55 Euro, sieht Andreas Wolf vom Hamburger Bankhaus M.M. Warburg den Kurs mittelfristig bei einem Wert von 59 Euro. Marc Geall von der Deutschen Bank geht noch einen Schritt weiter. Er hat das Kurspotential bereits auf 65 Euro festgelegt. „Hatte SAP mit seinen Ergebnissen im Auftaktquartal dieses Jahres noch enttäuscht, so verdiente es sich für das zweite Quartal eine Goldmedaille, zeigte, dass es auf einen ähnlichen Wachstumspfad einschwenkte wie 2011“, schreibt Geall in einer Analyse.

          Mehr verdienen mit der Cloud

          Wolf von M.M. Warburg sagte kurz und knapp: „Wir halten an unseren positiven Aussichten für SAP fest.“ Rüdiger Spies, Analyst von IDC, hatte schon vor einem Jahr gesagt: „SAP macht derzeit vieles richtig.“ Damals hatte der Preis einer Aktie noch 38 Euro betragen, SAP schien unter heftigem Druck des aggressiv seine Computerprogramme, Datenbanken und Dienstleistungen verkaufenden amerikanischen Wettbewerbers Oracle zu stehen. Das deutsche Softwarehaus musste darüber hinaus milliardenschwere Großakquisitionen wie die von Sybase, einem Spezialisten für mobile Daten, in seinen bestehenden Produkt- und Entwicklungs-Verbund integrieren. Auch war nicht klar, wie neue Produkte wie etwa das Datenbanksystem Hana bei potentiellen Kunden ankommen werden.

          Heute verzeichnen die Walldorfer mit Hana die höchsten Wachstumsraten, die sie in der Unternehmensgeschichte mit einzelnen Produkten je erreicht haben. Neben Sybase wurde mit Success Factors ein Anbieter zentraler Computerdienstleistungen erworben. Derzeit greift der Vorstand um die beiden Vorsitzenden Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott nach dem Cloud-Anbieter Ariba. Die Aktionäre des amerikanischen Unternehmens stimmten schon zu, die Behörden in den Vereinigten Staaten prüfen derzeit den Kauf. Mit den Aktivitäten im Cloud-Bereich will SAP sein Angebot von Mietsoftware ausbauen. Mit der Hana-Datenbank-Plattform aus dem Hause SAP soll das bisherige Brot-und-Buttergeschäft der kalifornischen Oracle-Gruppe angegriffen werden. Können doch auf den Systemen der Deutschen riesige Datenmengen binnen eines Wimpernschlages verarbeitet werden, wo herkömmliche Datenbanken Stunden, wenn nicht gar Tage für die Bearbeitung benötigen. Kunden wie Krankenkassen, Pharmahersteller, Banken und öffentliche Verwaltungen haben sich schon für Hana entschieden. Zeit ist Geld, und Hana hilft, bei der elektronischen Verarbeitung von Daten viel Zeit zu sparen.

          Darüber hinaus verkaufte SAP im vergangenen Quartal so viele Softwarepakete wie nie zuvor in seiner Geschichte. Es erhöhte damit die Verkaufserlöse auf den Rekordwert von mehr als einer Milliarde Euro im Quartal. Das verspricht viel für künftige Einnahmen aus Implementierung und Wartung dieser Programme. Die Absatz- und Umsatzsprünge der vergangenen Monate wirkten sich auf den Kurs der Aktie aus. Er entspricht derzeit dem Vierzehnfachen des für kommendes Jahr prognostizierten Gewinns. Der Konkurrent Oracle kommt auf ein sogenanntes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15, Microsoft, der größte Anbieter von Computersoftware, hat ein KGV von 10.

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