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Aktien : Die Kleinen schlagen die Großen

Hugo Boss überzeugt auf dem Laufsteg und an der Börse. Bild: Fricke, Helmut

Trotz des unsicheren Umfelds übertrumpft der M-Dax der mittelgroßen Unternehmen den Dax in diesem Jahr besonders deutlich. Es gibt gute Gründe dafür.

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          Als einer von wenigen Aktienmärkten in Europa hat der deutsche seit Jahresbeginn zugelegt. Die Standardwerte im Dax legten um 7 Prozent zu. Die Aktien der zweiten Reihe schneiden gleichwohl noch besser ab: Der M-Dax für die Werte mit einer mittelgroßen Marktkapitalisierung hat mit einem Aufschlag von 15 Prozent deutlich stärker zugelegt. Der S-Dax für die kleinen Aktiengesellschaften ist um 9 Prozent gestiegen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Für den Dax und seine Indexgeschwister waren die Aufschläge in diesem Jahr zwar schon höher. Doch die wachsende Verunsicherung über den Fortgang der Staatsschuldenkrise im Euroraum und zunehmende wirtschaftliche Sorgen haben die Gewinne wieder geschmälert. Die deutlich bessere Kursentwicklung der Nebenwerte verwundert, da viele Anleger gerade in unsicheren Zeiten kleinere Gesellschaften häufig meiden. Sie wenden sich dann meist den großen Namen zu, weil sie dort mehr Stabilität und weniger Risiken vermuten. Auch gilt der Handel mit Standardwerten als liquider.

          Die Entwicklung 2011 und 2012 in der Gegenüberstellung

          „Ein solcher Punkt, an dem die Unsicherheit so groß ist, dass die großen Tanker stärker gefragt sind, weil sie breiter aufgestellt sind und dadurch besser über die Weltmeere kommen, ist längst noch nicht erreicht“, sagt Christoph Schlienkamp, der Leiter Research des Bankhauses Lampe: „Ich sehe auch nicht, dass dieser Punkt so schnell kommen wird. Denn schon seit zwei Jahren reflektieren die Aktienmärkte die Verunsicherung der Anleger.“

          Dabei könnten kleinere Unternehmen bis zu einem gewissen Grad ein geringeres wirtschaftliches Wachstum sogar besser abfedern, weil sie flexibler seien. Vermutlich habe auch die teils höhere Dividendenrendite Anleger in Werte der zweiten oder dritten Reihe gelockt.

          Nebenwerte laufen schon lange gut

          Nach den Worten von Frank Hansen, Fondsmanager von Allianz Global Investors, ist die bessere Kursentwicklung der Nebenwerte ein langfristiges Phänomen, auch wenn sie zuletzt besonders deutlich war: „In den vergangenen zehn Jahren hat sich der M-Dax fast in jedem Jahr besser entwickelt als der Dax. Ein Indexgewinn von in der Summe 130 Prozent vergleicht sich mit plus 30 Prozent.“

          Hansen verweist vor allem auf das bessere Gewinnwachstum der M-Dax-Gesellschaften und die Unterschiede in der Indexzusammensetzung. Während die Werte des M-Dax zu rund 75 Prozent konjunkturabhängig seien, wäre es im Dax nur rund die Hälfte. Im M-Dax sei auch die Exportquote am höchsten, deswegen habe der Index von dem Wachstum der Schwellenländer auch besonders profitiert, sagt Hansen. Nur in Phasen eines stärkeren Abschwungs wie zuletzt im Jahr 2008 seien mittelgroße Aktien deswegen zeitweise stärker unter Druck geraten als die großen Titel, verstärkt durch die Lehman-Insolvenz in Amerika.

          Auch Jürgen Hackenberg, Fondsmanager von Union Investment, verweist auf die höhere Dynamik der Nebenwerte: „Und viele Unternehmen im M-Dax sind inzwischen gar nicht mehr so klein, aber sie haben ihre Hausaufgaben besser gemacht, was Bilanzthemen, Kostensenkungen und Margenstrukturen anbelangt.“ Der Dax leide zudem unter der enttäuschenden Wertentwicklung von Schwergewichten wie der Deutschen Telekom.

          Ein Blick auf die Liste der größten M-Dax-Gewinner zeigt auch, dass gerade die Kurserholung einzelner Aktien den Index so beflügelt hat. „Die Aktie der Wohnungsgesellschaft Gagfah profitiert nun davon, dass sie einen Prozess gegen die Stadt Dresden gewonnen hat“, sagt Schlienkamp. Das Übernahmeinteresse des Gesundheitskonzerns Fresenius wiederum habe den Kurs des Klinikbetreibers Rhön-Klinikum beflügelt.

          Fondsmanager empfiehlt EADS und MTU

          Doch das Jahr ist noch nicht zu Ende. „Da der Aktienmarkt aktuell sehr von den übergreifenden, großen Themen getrieben wird, ist das Umfeld für kleine und größere Gesellschaften gleichermaßen schwierig“, sagt Hackenberg, der den Uni Deutschland XS verwaltet. An der Börse seien beide derzeit ähnlich bewertet. Fraglich sei, inwieweit manche Unternehmen oder Analysten gerade zum Halbjahr die Gewinnprognosen zurücknähmen, denen die Bewertungen zugrundeliegen, da sich die wirtschaftlichen Aussichten verschlechtert hätten.

          Mittelfristig setzt Hansen weiterhin auf eine bessere Entwicklung der Nebenwerte. Kurzfristig könnten sie aber stärker unter Druck geraten, auch weil sie so deutlich zugelegt hätten. Optimistisch macht ihn, dass die Unternehmen so viel verdienten wie nie zuvor. Die Verschuldung sei zudem historisch tief. Daher seien die Unternehmen gerüstet, um Krisenszenarien gut abwehren zu können. Interessant sind seiner Ansicht nach M-Dax-Werte aus der Luftfahrtindustrie wie EADS und MTU, die über langfristige Orderbücher verfügten. Auch an baunahen Servicegesellschaften wie Bilfinger Berger schätzt Hansen die langfristigen Verträge und das stabile Geschäft: „Und dann gibt es auch immer wieder einzigartige, solide Erfolgsgeschichten wie Hugo Boss, Fuchs Petrolub und Brenntag, die den Appeal des M-Dax ausmachen.“

          Laut Schlienkamp kommt es nun mehr denn je auf die sorgfältige Analyse der Einzeltitel an, wie des Exposure der Unternehmen in Südeuropa. Interessant findet er die Bekleidungskonzerne Hugo Boss, Gerry Weber und Tom Tailor. Sie hätten ihre Geschäftsmodelle mit Erfolg verändert, Kosten gesenkt und die Margen erhöht. Die Optikerkette Fielmann gehört ebenfalls zu seinen Empfehlungen, da die Bilanzstruktur des Marktführers solide und der Mittelzufluss stabil sei.

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