Erica Pedretti gestorben : Zum Tod von Erica Pedretti
Die schweizerische Schriftstellerin Erica Pedretti war eine der ersten Gewinnerinnen des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs. Doch das Leitthema ihres Schreibens, der Heimatverlust als vertriebene Mährin, macht es ihr nicht leicht.
Den Ingeborg-Bachmann-Preis gibt es seit 1976, und eine seiner frühen Gewinnerinnen war Erica Pedretti, die 1984 bei dem Klagenfurter Wettlesen triumphierte. Ihr Siegertext trug den Titel „Das Modell und der Maler“, und schon in dieser Umkehrung der sprachlich gängigen Reihenfolge zeigt sich ein emanzipatorisches Bemühen, das Pedrettis ganzes Schaffen prägte. Nicht nur ihr literarisches, auch das als Bildende Künstlerin, denn als solche war sie in der Schweiz sogar bekannter. Das hatte seinen Grund auch im großen Thema der 1930 im nordmährischen Šternberg als Erica Schefter geborenen Autorin, die als Fünfzehnjährige nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihrer Familie vertrieben wurde, obwohl der Vater im antifaschistischen Widerstand aktiv gewesen war. Diese traumatische Erfahrung und das Gefühl, im Schweizer Exil nie akzeptiert worden zu sein, wurden wiederkehrende Themen ihres literarischen Werks, das seit 1970 entstand. Zuvor hatte sie eine Ausbildung zur Goldschmiedin absolviert und 1952 den Schweizer Bildhauer Giuliano Pedretti geheiratet; die Ehe wurde auch eine Künstlergemeinschaft. In Deutschland geriet Pedretti in Vergessenheit, obwohl sie der Darmstädter Akademie angehörte. In der Schweiz dagegen kaufte das Literaturarchiv 2013 ihr ganzes Archiv. Am vergangenen Donnerstag ist Erica Pedretti mit 92 Jahren in Celerina gestorben.
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