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Gina Thomas (G.T.)

Netflix-Serie : Regierung warnt vor „The Crown“

  • -Aktualisiert am

Wahrheit oder Fiktion? Die Heldinnen in „The Crown“ Bild: AP

Bitte nur noch mit Warnhinweis: Dem britischen Kulturminister zufolge hat sich der Drehbuchautor der Serie über das Königshaus etwas zu viel kreative Freiheit herausgenommen.

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          Der Netflix-Serie „The Crown“ über das britische Königshaus wird vorgeworfen, dass sie der Institution schade, weil die Grenzen zwischen Dichtung und Wahrheit verschwimmen. Von Beginn ihrer Ausstrahlung an haben namhafte Historiker, Kritiker und Zeitzeugen Einwände gegen die Verzerrungen und Erfindungen des Drehbuchautors Peter Morgan geäußert. Angesichts der nun laufenden vierten Staffel sind diese Stimmen lauter denn je geworden.

          Jetzt schließt sich auch der britische Kulturminister der von vielen Seiten erhobenen Forderung nach einem Warnhinweis an: Oliver Dowden will Netflix offiziell anhalten, um am Anfang jeder Folge deutlich zu machen, dass das historische Drama eine Fiktion sei. Morgan beruft sich dagegen auf kreative Freiheit. Er räumt ein, Ereignisse verschmolzen und dabei mitunter auf Genauigkeit verzichtet zu haben, behauptet jedoch, dabei niemals die Wahrheit preiszugeben. Dem wird heftig widersprochen. Zumal Morgan aus seiner Ablehnung der Monarchie nie einen Hehl gemacht hat: Die Institution sei eindeutig „verrückt“, die Königin von „beschränkter Intelligenz“, das System derart „absurd und unlogisch“, dass „sein bloßes Auseinandernehmen vom Standpunkt der Vernunft aus“ eine reine Freude sei.

          Wer ins Schlafzimmer eindringt

          Diese Ansichten wären irrelevant, wenn Morgan die Tatsachen nicht verdrehte, um die Figuren ins Korsett seiner Vorurteile zu zwingen, etwa durch die wenig subtil nahegelegte Gleichsetzung der Ermordung Lord Mountbattens durch die IRA mit der königlichen Jagdlust. Oder durch die Darstellung eines Eindringlings ins Schlafzimmer der Queen als Opfer des gefühllosen Thatcherismus. Die in der Serie vorgeführte snobistische Demütigung von Premierministerin Thatcher auf Schloss Balmoral ist schon deswegen undenkbar, weil Besucher vom Hofpersonal im Voraus genauestens instruiert werden, um sie vor Peinlichkeiten zu bewahren.

          Andrew Neil, der als Chefredakteur der „Sunday Times“ einen Enthüllungsbericht über Unstimmigkeiten zwischen der Königin und Margaret Thatcher veröffentlichte, berichtete unlängst, durch einen Mittelsmann gefragt worden zu sein, ob er bereit wäre, Morgan in die Hintergründe der Geschichte einzuweisen. Obwohl Neil zustimmte, hat er nie wieder etwas gehört. Er vermutet, Morgan habe verhindern wollen, dass die Tatsachen jener „dramatischen Freiheit“ ins Gehege kämen, „die sich mitunter als hochtrabende Wendung für ,Erfindung‘ entpuppt“.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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