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„Einer der Größten“ : Jazz-Legende McCoy Tyner ist tot

McCoy Tyner beim Jazz-Festival in Montreux im Juli 2009 Bild: EPA

Der amerikanische Jazz-Pianist McCoy Tyner ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Er spielte unter anderem im John-Coltrane-Quartett mit.

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          Als McCoy Tyner im Oktober 2011 den Sendesaal des Hessischen Rundfunks betrat, konnte das Publikum eine körperlich schon angeschlagene Jazz-Legende beobachten. Als er sich an den Flügel setzte und mit der vielleicht kräftigsten linken Hand der Jazzgeschichte seine Stücke einleitete, sah und hörte es aber einen unverändert präsenten Pianisten. Er mag nicht mehr zu den innovativen Neuerern seines Musikstils gehört haben, aber ein reiner Nachlassverwalter war er mit Sicherheit auch nicht.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Im Dezember 1938 in Philadelphia zur Welt gekommen, begann er mit 13 Jahren, Klavierunterricht zu nehmen. Mit Ende 20 wurde er Teil des Jazztet von Benny Gloson und Art Farmer. Sein Klavierspiel hat den modernen Jazz wie auch seine Kompositionen nachhaltig geprägt. „Wir haben mit dem Tod von Jazz-Legende McCoy Tyner einen Titanen verloren“, teilte das Plattenlabel Blue Note Records im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Der Musiker sei einer „der Größten aller Zeiten“ gewesen.

          Im Jahr 1960 hat er erstmals auf den Alben neuer aufregender Jazzmusiker mitgespielt: Eric Dolphy, Freddie Hubbard und John Coltrane. Mit Coltrane am Tenorsaxofon, Jimmy Garrison am Bass und Elvin Jones am Schlagzeug bildete er in den frühen Sechzigern bis kurz vor Coltranes Tod dessen legendäres Quartett. Die Plattenaufnahmen „Ascension“ und „A Love Supreme“ sind Höhepunkte des Modalen Jazz, der die alten Blues- und Bebopschemen verließ. Sie zählen zu den einflussreichsten Jazzalben aller Zeiten, verbanden religiöse Visionen mit freier Improvisation und haben weit über den Jazz hinaus Eindruck hinterlassen.

          Auf dem Höhepunkt von Coltranes Schaffen wurde Tyner zwei Jahre vor dessen Tod durch seine neue Frau Alice Coltrane ersetzt. Tyner spielte Platten mit Wayne Shorter, Stanley Turrentine, Freddie Hubbard und Ahmad Jamal ein. Von Anfang der siebziger Jahre kam er auch als Soloartist stärker zur Geltung, immer an seinem dynamischen Anschlag erkennbar – mal freier und sphärischer wie auf seinen Alben wie „Sahara“ und „Enlightenment“, mal melodischer und grooviger wie auf „Horizon“.

          Bis zum Jahr 2013 ist ein umfangreiches Oeuvre entstanden, vielleicht nicht immer waghalsig, aber kraftvoller akustischer Jazz. Von jüngeren Musikern wurde Tyner verehrt, was zum Beispiel an einer gemeinsamen Aufnahme von Chick Corea, Keith Jarrett und Herbie Hancock mit dem ehemaligen Coltrane-Pianisten zu sehen war.

          Im Alter von 81 Jahren ist Alfred „McCoy“ Tyner nun als letzter des legendären Quartetts gestorben, wie seine Familie am Freitag mitteilte. „McCoy war ein begeisterter Musiker, der sein Leben seiner Kunst, seiner Familie und seiner Spiritualität widmete“, erklärte seine Familie im Online-Netzwerk Instagram. Die Todesursache blieb unbekannt.

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