Zerfallende Normen : Im Müllraum der Geschichte

Legitimitätsfragen lassen sich nur geschichtsphilosophisch beantworten: Rainald Goetz‘ Normendrama „Reich des Todes“ erzählt vom Zerfall des internationalen Rechts.
Das politische Drama verändert seine Form notwendig mit der Art von Politik, die auf die Bühne gebracht wird. Es mag entstanden sein in politischen Ordnungen, die ihre inneren Konflikte öffentlich, in einem Modus der Repräsentation zu verhandeln wussten. Einer Politik als Raum der souveränen Entscheidungen und ihrer zu verantwortenden Folgen entspricht das Königsdrama. Im politischen Drama der modernen Demokratie sind die Dinge schon komplizierter. In dem Stück „Reich des Todes“, dem ersten Bühnenwerk des Büchnerpreisträgers Rainald Goetz seit „Jeff Koons“ von 1998, dessen Uraufführung am Jahrestag des 11. September 2001 im Hamburger Schauspielhaus in der Inszenierung der Intendantin Karin Beier stattfand, wird eine solche Vorstellung von Politik als Repräsentation schon in den ersten Minuten dementiert.





