79. Filmfestival Venedig : Blicke, an denen man sich schneiden kann

Cate Blanchett ist großartig, Nina Hoss ebenbürtig: In Venedig laufen mit Todd Fields „Tár“ und Alejandro Iñárritus „Bardo“ zwei Künstlerfilme im Wettbewerb.
Auf Filmfestivals gehen Realität und Fiktion manchmal auf seltsame Weise ineinander über. Da schaut etwa ein italienischer Journalist Sekunden vor Beginn der Filmvorführung auf seinem Smartphone noch einmal den Trailer von Todd Fields neuem Film „Tár“ an, der hier gleich gezeigt wird. Und wenn der Film anfängt, ist schon wieder ein Smartphone zu sehen, diesmal auf der Leinwand, übergroß ins Bild gerückt. Das Display zeigt scharf, was unscharf im Hintergrund passiert: Cate Blanchett liegt zusammengesunken über einem Flugzeugtischchen, die Augen von einer Schlafmaske bedeckt, den Mund im unbequemen Transitschlummer halb geöffnet. Der Voyeur hinter dem Smartphone sendet die Aufnahme als Livevideo, chattet mit einer zweiten Person und tauscht ironische Sprüche über die sonst so harte und unnahbare Dirigentin Lydia Tár aus, die Blanchett hier verkörpert. Erst viel später sollen wir erfahren, wer das Video aufgenommen hat.


