KI im Film : Jetzt kommt der Kino-Slop

In den USA und China laufen die ersten vollständig KI-generierten Filme an. Mit ihnen wächst der Einfluss der Tech-Unternehmen auf unser Weltbild. Die Gefahren sind groß.
Für Cineasten hat die Dystopie nun offiziell begonnen. In China läuft seit letztem Freitag der Science-Fiction-Thriller „Sanxingdui: Future Past” im Kino, in den USA startet im Dezember die amerikanische Produktion „Gods Don’t Give Gifts“. Beide Filme sind komplett mit künstlicher Intelligenz (KI) generiert.
Wirklich überraschend kommt diese Nachricht nicht. Seitdem Bild- und Videogeneratoren öffentlich zugänglich sind und von Zehntausenden Nutzern eifrig verwendet werden, war es nur eine Frage der Zeit, bis sogenannter slop die Kinoleinwand erreichen würde. Angelehnt an den englischen Begriff für „Schmodder“ bezeichnet slop KI- generierte Texte, Bilder und Videos, deren massenhafte Verbreitung an die Plastikfluten in den Weltmeeren erinnert: digitaler Schrott, der die Netzwerke unaufhörlich überschwemmt.
Weder Kinostart noch die Reaktionen darauf überraschen
Natürlich unterscheiden sich die beiden Produktionen qualitativ von wackeligen Kurzfilmchen, auch eine Prise menschlicher Kreativität dürfte in ihre jeweilige Entstehung eingeflossen sein. Zack London, „Regisseur“ von „Gods Don't Give Gifts“, betonte in Interviews, dass die Arbeit aus „viel mehr als nur Prompting“ bestehe. Seine Mitarbeiter und er müssten die generierten Bilder sorgfältig kuratieren und bearbeiten.
Die Reaktionen sind erwartbar. Drehbuchautoren, Darstellende, Sprecher, Animatoren und unzählige weitere Berufsgruppen in der Filmindustrie fürchten um ihre Jobs, Kritiker und Fans bangen zudem um die Seele des Kinos. Zu Recht. Und letztendlich ist es noch viel schlimmer. So stellt Medienwissenschaftler Roland Meyer die These auf, dass der Zweck von slop darin liege „eine vollständig durch digitale Plattformen vermittelte und gesteuerte Welt zu naturalisieren, eine Welt, die kein Außerhalb der endlosen Rückkopplungsschleifen des Plattformkapitalismus“ kenne.
Egal, wie viel die Macher von „Sanxingdui: Future Past” und „Gods Don’t Give Gifts“ an ihren Werken gefeilt haben mögen: Im Kern sind es keine Filme, sondern slop in eleganterer Form, algorithmisch erzeugte Produkte, die nach Meyer, auf der „endlosen Wiederverwertung toter menschlicher Arbeit“ beruhen.
Jeder weitere KI-Film ist nicht nur ein Affront gegenüber den Künstlern und Künstlerinnen, deren Werke ohne ihre Zustimmung als Trainingsmaterial für KI-Systeme benutzt wurden. Es steht zugleich für einen weiteren Schritt zur Machtkonzentration der Tech-Unternehmen, die diese Technologien zur Verfügung stellen.
Die Besitzer von OpenAi, Anthropic oder Meta verschärfen dadurch nicht nur die Bedingungen von künstlerischer Produktion. Jeder KI-Film besteht indirekt aus einer vom Silicon Valley kuratierten und damit kontrollierten Bilderflut, die unser Weltbild, ohne dass wir uns dessen bewusst sind, immer stärker beeinflussen.






