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Aktuelle Kunst : Paartherapeutisches Malen

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Eins plus eins macht eins: Die Houldsworth Gallery in London zeigt gemeinsame Werke von Künstlerpaaren. „Jagdgesellschaft“ nennen Rosa Loy und Neo Rauch ihren Beitrag zu der Schau.

          Der Ausstellungstitel „Sweethearts“ verspricht Romantik und Zuckerwatte. Wenn zwei Künstler kollaborieren, zwei kreative Visionen und künstlerische Egos verschmolzen werden sollen, geht es allerdings nicht immer harmonisch zu. Selbst wenn es sich bei den Künstlern um Liebespaare handelt. Fast zehn Jahre lang brüteten die Kuratorin Kathy Battista, Direktorin am Sotheby’s Institute of Art in New York, und die Galeristin Pippy Houldsworth an der Idee, Künstlerpaare zu bitten, ein gemeinsames Werk zu schaffen. Ein Thema wurde nicht vorgegeben. Von der ursprünglichen Wunschliste sind nun tatsächlich einige Pärchen dabei; andere hatten sich in der Zwischenzeit getrennt. Vierzig Prozent der angesprochenen Künstler konnten sich entweder nicht für die riskante Idee erwärmen - oder brachten kein gemeinsames Werk zu Ende.

          Kathy Battista bringt die Herausforderung dieser Ausstellung auf den Punkt: „Alle Künstler, die zugestimmt haben, unterstützen grundsätzlich die Praxis ihrer Partnerinnen. Die Arbeit von Frauen wird heute aber immer noch nicht als gleichwertig im Vergleich mit den Männern angesehen. Wir sind an der Beziehung zwischen Künstlern und dem daraus resultierenden Dialog, der im Hintergrund abläuft, interessiert.“

          Bis zum 21. April kann man das Ergebnis des Experiments in den neuen Räumen der Houldsworth Gallery in der Heddon Street erkunden. Die meisten Arbeiten sind visuell und konzeptuell überzeugend, am interessantesten ist allerdings herauszufinden, wer welchen Teil zum Werk beigetragen hat und wie die Idee der Zusammenarbeit interpretiert und verhandelt wurde.

          Die amerikanische Konzeptkünstlerin Mary Kelly, die in den siebziger Jahren mit ihrem „Post-Partum Document“ einen Skandal auslöste, als es im Londoner ICA ausgestellt wurde, sieht in der Art, wie jedes Paar mit dem Auftrag umging, auch einen Ausdruck verschiedener Generationen. Sie ist wohl die einzige Frau in der Ausstellung, die bekannter ist als ihr männlicher Partner Ray Barrie. Das Konzept der Arbeit „How to build a bomb shelter at home“ (Preis 25.000 Pfund) entstand beim täglichen Dialog am Küchentisch. Der Inhalt des Flusensiebs ihres Wäschetrockners, in dem abwechselnd weiße und schwarze Wäsche trocknete, haben sie zu einem Fries zusammengefügt und darauf in Blau die Montageanleitung für einen sogenannten „Morrison Shelter“ gedruckt, einen Bunker, der ursprünglich für den zivilen Luftschutz im Zweiten Weltkrieg entwickelt wurde.

          Das große, von der Decke hängende Mobile „Relational Aesthetics“ (70.000 Pfund) von Antony Gormley und Vicken Parsons nimmt im Titel ironisch das Ausstellungskonzept auf. Der Bildhauer Antony Gormley entwarf zunächst ein Mobile aus PVA-Kugeln, das an eine Planeten-Konstellation erinnert. Seine Frau Vicken Parsons, die Malerin ist, bearbeitete dann die Kugeln in der für ihr Werk typischen, blassen Farbpalette. Das Werk wurde so aufgehängt, dass die Höhe einer kleinen Kugel der Körpergröße von Gormley entspricht, und eine größere Kugel, die niedriger hängt, der Körpergröße von Parsons.

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