Künstler Donatello in Berlin : Der große Rätselsteller

Marmor, Stein und Terrakotta spricht: Eine Berliner Ausstellung zeigt, dass Renaissance auch Unergründlichkeit und nie ganz aufzulösende Spannung bedeutet. Donatello ist der Begründer dieser Formenwelt.
Sich als „Erfinder der Renaissance“ zu bezeichnen, wie Berlin die erste Donatello-Ausstellung in Deutschland in der Gemäldegalerie am Kulturforum bewirbt, wäre dem Florentiner Bildhauer des fünfzehnten Jahrhunderts nie eingefallen. Zwar wurde Donato di Niccolò di Betto Bardi als Sohn eines Wollkämmers in Florenz als Kapitale der Renaissance schon 1386, also noch im vierzehnten Jahrhundert Dantes und Petrarcas geboren. Doch beginnen die ersten nachweisbaren Werke erst 1408, zu einem Zeitpunkt, als Giotto, Ghiberti oder Brunelleschi bereits zentrale Werke der Renaissance geschaffen hatten. Doch geschenkt der zu großsprecherische Untertitel. Ohne Zweifel ist Donatello einer der größten Bildhauer der Renaissancekunst, und erstaunliche neunzig Werke aus aller Welt bezeugen das in Berlin. Alle Hauptwerke sind da – und wo sie ortsfest wie die Judith in der Florentiner Loggia dei Lanzi oder die Propheten am Dom sind, zeigt man zumindest Echos von ihnen. Was aber nicht einmal Florenz hat: Aus dem Dom zu Padua, wo der Künstler von 1453 bis 1454 arbeitete, stammen das prächtig wimmelnde Altarrelief des „Eselswunders“ sowie das ein Meter achtzig große Lettnerkreuz, beide aus Bronze.


