Kolumne „Lost and Found“ : Das Taxi von Buchenwald nach Weimar

Wie ich mich am 100. Geburtstag des großen Filmregisseurs der DDR, Konrad Wolf, an seinen Film „Der nackte Mann auf dem Sportplatz“ erinnere. Und an Bilder, die nicht verstummen wollen.
Vor Kurzem ist mir eine Quittung aus dem Chaos meines Lebens in die Hände gefallen: „Taxi-Betrieb der Stadt Weimar“, 17 Euro von Buchenwald nach Weimar. Ich war überrascht: Die Quittung ist nicht meine, und sie ist 20 Jahre alt. Ich kann sie nicht einmal metaphysisch von den Steuern absetzen. Ich habe sie aufbewahrt, aus mir kaum erklärbaren Gründen, als würde sich der Sinn dieses Besitzes noch ergeben. Vielleicht hat mich die Kürze dieser Fahrt erwischt – vom Tiefpunkt der Inhumanität zum Gipfel der deutschen Kultur. Vielleicht war es auch nur die bloße Tatsache, dass es sich um eine Rückfahrt handelte, dass eine Rückfahrt möglich ist. Ich war selbst nur zweimal im Weimar, aber ich habe mich nicht getraut, nach Buchenwald zu fahren, obwohl in dem Land, in dem ich aufgewachsen bin, gerade dieser Ort zum wichtigsten Symbol des Schreckens gemacht wurde.
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