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Nasser-Zwillinge im Gespräch : Schaut auf diese Stadt!

  • -Aktualisiert am

Die Regisseure Arab and Tarzan Nasser. Bild: Laif

Wenn ich „ich“ sage, meine ich „wir“: Die palästinensischen Regisseure Arab und Tarzan Nasser über die Hamas, Israel, ihr Exil in Paris und über ihren neuen Film „Gaza mon amour“.

          5 Min.

          Schon einer allein würde auffallen, zusammen sind sie ein Happening: die Nasser-Zwillinge Arab und Tarzan, zwei große Männer mit Bärten und Kajal um die Augen. Ihr wunderbarer Film „Gaza mon amour“ über einen älteren Fischer in Gaza, der still um das Herz einer verwitweten Schneiderin wirbt, wurde auf den Festivals in Toronto, Venedig, Thessaloniki und in Hamburg gefeiert, wo der erste Teil des Interviews stattfand. Die beiden Regisseure sind heiter und temperamentvoll. Sie sprechen oft gleichzeitig oder fallen einander ins Wort.

          Tarzan, Arab, Sie beide sehen aus, als kämen Sie direkt von einer Hardrock-Bühne. Wie kommt es, dass Sie solch sanfte Filme machen?

          Arab: Wir wollten schon immer einen Liebesfilm über die Menschen von Gaza machen, nicht über den Krieg dort. In den Nachrichten hört man dauernd etwas über Gaza, aber wir wissen nie, wie die Menschen dort leben – bevor sie dann sterben.

          Tarzan: All unsere Filme drehen sich um Menschen. Nicht um den Krieg, die Be­setzung oder sonstige Politik. Die Welt muss erfahren, was für einen Widerstand sie jeden Tag leisten, um überhaupt so etwas wie ein Alltagsleben führen zu können. Die Hintergrundstory, dass 2013 ein Fischer eine antike Apollo-Statue aus dem Meer fischte und versuchte, sie auf Ebay zu verkaufen, ist übrigens wahr.

          Es stimmt, dass man Ihre Heimat Gaza vor allem aus den Nachrichten kennt . . .

          Tarzan: Ja, aber Medien zeigen nur einen Ausschnitt der Realität. Man kennt Gaza leider nur von dem Negativen, das dort geschieht, sonst hat keiner ein Bild vor Augen.

          Lässt sich kurz erklären, was das Leben in Gaza bloß so kompliziert gemacht hat?

          Arab: 2006 fand die zweite Wahl nach Arafats Tod statt. Ein paar Monate gab es kurz so etwas wie Demokratie, bis die Hamas immer radikaler wurde und das Volk immer stärker unterdrückte. Die Hamas hat es noch schwieriger gemacht, als es eh schon war.

          Tarzan: Was besonders gefährlich ist: Die Hamas besteht aus Palästinensern. Daher können wir sie nicht als „Besetzer“ bezeichnen, obwohl sie unser Land geißeln. Die meisten Gazaouis jedoch lehnen die Hamas ab, ihre Politik, ihre Willkür, ihre Gewalt.

          Seit Juni 2007 stellt die Hamas die Regierung im Gazastreifen. Die Politik der Hamas gegenüber der Zivilbevölkerung ist dabei von Willkür und Gewalt gekennzeichnet, Amnesty International verurteilte Verhaftungen, Folter und Erschießungen.

          Tarzan: Kurz gesagt: Vor Hamas kämpften wir gegen die Okkupation (der israelischen Regierung im Gazastreifen; Anm. d. Red.). Wir hatten ein Ziel, wir wollten unser Land befreien. Seit Hamas aber kämpfen wir ums Brot.

          Sie beide waren etwa 18 Jahre alt, als die Hamas in Gaza an Einfluss gewann. Was wurde im Alltag für die Menschen, für Sie anders?

          Tarzan: Israel tut seitdem so, als ob alle Menschen in Gaza auch die Hamas unterstützten. Was überhaupt nicht der Fall ist! Und sie bestrafen uns immer stärker dafür. Die Grenzen von Gaza wurden dichtgemacht, wir sind gefangen. Das ist, als seien seitdem Opfer und Täter in einen Käfig gesteckt worden.

          Arab: Wir mussten immer darauf achten, ob aus dem Himmel etwas auf uns runtergeht. Wenn Issa, unser Fischer, mit seiner Frau ins Meer schwimmen geht, sind sogar der Himmel und das Meer geteilt – eine Erinnerung an die Dreimeilenzone!

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