Berlin nach dem Krieg : Ein Tanz auf Ruinen

Nach dem Zweiten Weltkrieg schien Berlin restlos zerstört zu sein. Doch ihre Modernität hielt die Stadt am Leben. Überraschend schnell entfaltete sich in den Trümmern ein funkelndes Metropolentreiben. Babylons Ende kam später.
Im Sommer 1920 stellte die „Vossische Zeitung“ dem Berliner Kunstkritiker Karl Scheffler die Frage: „Wie sieht der Potsdamer Platz in 25 Jahren aus?“ Scheffler gab nicht eine, sondern drei verschiedene Antworten in Form eines erfundenen Gesprächs mit einigen Bekannten im Café Josty, dem beliebten Literaten-Treffpunkt am Potsdamer Platz. „Ich glaube, der Platz wird in 25 Jahren nicht viel anders aussehen wie heute“, meinte der erste Bekannte. „Nur wird hier bei Josty ebenso viel Englisch, Französisch, Russisch und Polnisch gesprochen werden wie Deutsch. Draußen wird man viel Kolonialeleganz sehen, viele östliche Typen und Halbwelt. Die Häuser werden verwahrlost sein, der Verkehr wird so wirr durcheinandergehen wie jetzt, und das Ganze wird etwas schäbig aussehen. In jedem Haus wird ein Vergnügungslokal sein, und der Platz wird ungefähr erscheinen, als läge er im Zentrum einer Balkanhauptstadt.“
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