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Verkehrssitten : Und in Italien gibt es Strafzettelrabatt

Auf dem Weg zum Knöllchen: Parkraumbewirtschaftung in Catania Bild: Picture-Alliance

Haben Sie schon einmal einen Strafzettel in Catania bekommen? Nein? Unser Autor hat miterleben dürfen, wie modernste Verkehrskontrolle funktioniert – in einer sizilianischen Hafenstadt.

          „Entschuldigen Sie, Signore, warten Sie bitte mal, ich habe eine Frage: Sind Sie der Polizist, der mir diesen Strafzettel unter den Scheibenwischer geklemmt hat?“ – „Welches ist denn Ihr Auto?“ – „Der Fiat Panda da vorne, der Letzte vor der Ausfahrt.“ – „Ja, Sie haben keinen Parkschein!“ – „Stimmt, aber ich hab versucht, einen zu ziehen, doch der Automat auf der Piazza da drüben funktioniert nicht, das Geld ist zweimal wieder rausgekommen!“

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          – „Wie, der funktioniert nicht? Aber klar funktioniert der, das ist ein deutsches Fabrikat, der funktioniert immer, und wenn er mal nicht funktioniert, bekomme ich hier eine Nachricht auf mein iPhone. Hab ich aber nicht bekommen. Kann also gar nicht sein. Aber wir können uns das ja mal ansehen!“ – „Gut, da war noch ein älteres Ehepaar, das konnte seine Münzen auch nicht loswerden, das sagte, der Automat sei defekt.“ – „Sie müssen die Jungen fragen, nicht die Alten.“ – „Aber da waren keine Jungen. Und da haben wir’s ja schon. Das Geld wird nicht angenommen, es kommt wieder raus!“

          – „Aber lesen Sie doch erst mal, was da steht. Sie müssen, bevor Sie Geld einwerfen, das Kennzeichen eintippen. Erst wenn Sie das gemacht haben, nimmt er das Geld an!“ – „Aber das hab ich doch nicht im Kopf, das ist ein Leihwagen.“ – „Müssen Sie aber eingeben, das wird demnächst in der ganzen EU Standard, wir in Catania sind da ganz vorne mit dabei.“ – „Hab ich in Deutschland noch nie gesehen, tut mir leid, doch stimmt, in Frankreich gibt es das auch. Aber Sie müssen zugeben: Der gute Wille war da, und darauf kommt es an.“ – „Nein, es ist Ihre Schuld, Sie müssen bezahlen! Ich hatte extra eine halbe Stunde gewartet, bevor ich den Strafzettel ausstellte, da es ein Mietwagen von Sicily by Car ist.“ – „Woher wissen Sie das denn?“ – „Ich muss hier nur das Kennzeichen eingeben, dann sagt er mir das.“

          – „Sie haben also gesehen, dass ich Tourist bin, und drücken mir trotzdem einen Strafzettel auf? Na, großartig! Benvenuti in Sicilia!“ – „Ja, ich bin Sizilianer. Wir sind freundliche Menschen, aber auch korrekt. Ich mache hier meinen Job.“ – „26 Euro plus 13,50 Bearbeitungsgebühr, ganz schön happig, finden Sie nicht? In Köln kostet das 15 Euro.“ – „Zeigen Sie mir bitte Ihren Ausweis.“ – „Hier.“ – „Also, Andreas, ich heiße Salvatore, hier ist ein Formular, das füll ich mal aus für dich; wenn du den Strafzettel innerhalb von fünf Tagen bezahlst, kostet er dreißig Prozent weniger, statt 26 nur 18,20 Euro.“

          – „Das gibt es auch nur in Italien: Strafzettel mit Rabatt!“ – „Genau, doch dafür musst du am besten gleich morgen da drüben auf die Post gehen und bezahlen.“ – „Aber ich fahre gleich zurück nach Syrakus, da ist mein Hotel.“ – „Kannst du auch in Syrakus machen, geht überall in Italien.“ – „Na, prima. Aber jetzt brauch ich erst mal einen Caffè.“ – „Ja, ich auch. Hier um die Ecke ist eine Bar. Klemm den Strafzettel wieder unter den Scheibenwischer. Ich lade dich ein.“

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