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Vatikanischer Missionsbefehl : Der sakrale Kern des Priestertums

Eiserne Reserve Kirchenbau? Die Klosteranlage als Freilichtmuseum in Veßra. Bild: dpa

Was den Priester vom Psychiater unterscheidet und warum leere Kirchen besser nicht profaniert werden sollen: Die jüngste vatikanische Instruktion düpiert die Rationalität von Unternehmensberatungen.

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          Das Verbot, sich Leitungsteam, Leitungsequipe, Doppel- oder Dreierspitze zu nennen gehört zu den grundsympathischen Aussagen des jüngsten vatikanischen Papiers zu der Frage, wer in einer Pfarrei den Hut aufhat. Wer käme im Ernst auf die Idee, bei Sinn- und Glaubensverlust, nihilistischer Ausschweifung oder ähnlichem Symptombefall ein Team anzurufen? Die metaphysische Fiktion, derentwegen man die Kirche und nicht den Psychiater beansprucht, ist nicht demokratisierbar.

          Wo es um Trost aus einer anderen Welt geht und nicht bloß um Psychohygiene, zählt die Anbindung ans Sakrale mehr als profane Eloquenz. In solcher aus der Welt gefallenen Sicht entschädigt die Weihe des Priesters noch für jede seiner Borniertheiten. Entsprechend apodiktisch heißt es in dem vom Papst approbierten Papier: „Das Amt des Pfarrers dient der umfassenden Seelsorge. Daher muss ein Gläubiger die Priesterweihe empfangen haben, damit er gültig zum Pfarrer ernannt werden kann. Wer sie nicht hat, kann, auch nicht im Falle des Priestermangels, weder den Titel noch die entsprechenden Funktionen erhalten.“ Der Pfarrer kann Beauftragungen an nicht geweihte Gläubige vornehmen, er kann Dienste delegieren, aber wird dadurch nicht seiner Leitungsverantwortung enthoben, auch nicht bei grassierendem Priestermangel.

          Kein Stoppschild aus Rom?

          Das ist genauso antifunktionalistisch gedacht wie das im selben Dokument bekräftigte Verbot, leere Kirchen zu profanieren, zweckentfremdet als Wohlfühloase oder Rewe-Filiale. Für die Entscheidung über eine Kirchenprofanierung seien „der diözesane Klerikermangel, die Abnahme der Bevölkerung und die schwerwiegende finanzielle Krise der Diözese keine legitimen Gründe“, heißt es in einer Kriteriologie, die Unternehmensberatungen düpiert. Wenn das Gebäude „sich hingegen in einem für die Feier der Liturgie unbrauchbaren irreparablen Zustand befindet, ist es möglich, es gemäß dem kanonischen Recht zu profanieren“. Geht es dem römischen Papier darum, „den wesentlichen Unterschied zwischen dem allgemeinen und dem besonderen Priestertum nicht zu verdunkeln“, dann sticht auch hier eine Dysfunktionalität hervor.

          Man fragt sich, warum der deutsche synodale Weg so viel Aufwand betreibt, um just jenen in der Weihe begründeten Unterschied zu nivellieren, wenn er auf Weltkirchenniveau sogleich wieder festgeklopft wird. Früher wäre nach so einem Papier Kardinal Marx nach Rom gebraust, um vom Papst einen Dispens für Deutschland zu erwirken. Marx hätte dann als Ergebnis seiner diplomatischen Mission verkünden können: „Es gibt kein Stoppschild aus Rom.“ Inzwischen geht es, bei stetig zunehmenden Kirchenaustritten, nicht mehr um diplomatische Missionen, sondern nur noch um Mission. Die Pfarreien werden von Rom darauf verpflichtet, „sich völlig auf die Mission auszurichten“. Kein deutsches Leitungsteam dürfte das der päpstlichen Spitze mehr ausreden können.

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