Kommentar zu Christopher Lauer : Mitten im Geschehen

Bei den Piraten war Christopher Lauer die letzte Stimme der Vernunft. Sein Wechsel zum Springer-Verlag wird mit Argwohn und Entsetzen betrachtet. Doch die Kritiker verstehen Lauers unabhängige Position nicht.
Viel zu verlassen, könnten Spötter sagen, gab es da nicht mehr. Aber von Christopher Lauer verlassen zu werden, das war für die Piraten schon ein Ding. Lauer war der umtriebigste Querkopf der nunmehr in der Bedeutungslosigkeit versunkenen Partei und zugleich die letzte Stimme der Vernunft einer Truppe, die Demokratie mit einem immerwährenden Selbstfindungsprozess via Shitstorm verwechselte.
Aus dem Mahlstrom heraus
Als Politiker wie als Publizist (auch in Artikeln dieser Zeitung) verfolgt Lauer das Treiben der Netzbasis ebenso mit gesunder Skepsis wie die Geschäftspolitik der Internet-Giganten. Wer ihm jetzt hinterherruft, er wechsle auf „die dunkle Seite der Macht“, hat Lauers durch und durch unabhängige Position nicht verstanden. Er ist mitten im Geschehen, tritt aber immer wieder aus dem Mahlstrom, als den er vor allem die Politik erlebt hat, heraus und blickt mit intimer Kenntnis und einer guten Portion Selbstironie auf das große Ganze. Sein Kommentar auf Twitter in eigener Sache bringt es auf den Punkt: „Endlich gibt es Verschwörungstheorien zu mir.“






