Festival in Cannes : Von Strandjungen und Schnabeltassen

Nach Kassenfüllern wie „Madagaskar“ kommen Ulrich Seidls „Paradies: Liebe“ und der mit Spannung erwartete neue Film „Liebe“ von Michael Haneke zur Aufführung. Sie zeigen zwei sehr verschiedene Spielarten eines Gefühls.
Die Haltung ist konspirativ, der Ton wispernd. Doch es geht meistens nicht um Drogen, sondern nur um Eintrittskarten. Einladungen, bedeutet das in Cannes. Schon morgens vor acht Uhr streifen die Suchenden die Croisette hinauf und hinunter und sprechen jeden an, der so aussieht, als könne er ihnen weiterhelfen. Es gibt in den zwölf Tagen des Filmfestivals alles, was Kino ist - den Karneval, die Stars, Glamour alten Stils in neuen Kleidern, die dicken Produzenten mit den dünnen Mädels im Arm, Regisseure, die Kunst und solche, die vor allem Geld machen wollen, die Kritiker, die Verkäufer, die Einkäufer und alle, die zwischen ihnen hin- und herrasen, weil sehr viel auf dem Spiel steht. Der nächste Film, ein wichtiger Kontakt, der Erfolg, die Aufmerksamkeit der Welt. Wer einfach nur einen Film sehen will, kriegt in Cannes keine Karten. Jeder, der hier im Kino sitzt, gehört irgendwo in der langen Nahrungskette des Geschäfts dazu.





