FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Mord an Walther Rathenau :
Das seltsam tolerierte Mordprinzip

Von
Helmuth Kiesel
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Walter Rathenau (zweiter von links) auf dem Weg zu einer Konferenz in Wiesbaden im Januar 1921
Walter Rathenau (zweiter von links) auf dem Weg zu einer Konferenz in Wiesbaden im Januar 1921imago stock&people

Vor hundert Jahren wurde Walther Rathenau bei einem Attentat getötet. Kurz danach machte die Literatur der Weimarer Republik den rechten Terror zum Thema.

Der politische Mord, oft als „Fememord“ apostrophiert, gehörte in den Anfangsjahren der Weimarer Republik, die von dem englischen Deutschlandkorrespondenten George Eric Gedye als „Revolver Republic“ bezeichnet wurde, fast zum Alltag. Neben den prominenten Mordopfern Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg (15. Januar 1919), Kurt Eisner (21. Februar 1919), Gustav Landauer (2. Mai 1919), Matthias Erzberger (26. August 1921) und Walther Rathenau (24. Juni 1922) wurden Hunderte von Menschen von sogenannten „Femgerichten“, die sich auf dubiose mittelalterliche Traditionen beriefen, wegen missliebiger politischer Einstellung oder angeblichem „Verrat“ an einer bestimmten Gruppe zum Tode verurteilt und in sogenannten „Nacht- und Nebelaktionen“ erschossen und verscharrt. Der Heidelberger Statistiker Emil Julius Gumbel verzeichnete 1922 in seinem Buch „Vier Jahre politischer Mord“ nicht weniger als 354 politisch motivierte Mordtaten von rechts und 22 von links. Rechnet man eine kleine Dunkelziffer hinzu, so kommt man auf durchschnittlich zwei politische Morde pro Woche.

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