Algeriens verdrängter Krieg : Kein Wort über das Grauen in den Schulbüchern

Der Schriftsteller Kamel Daoud hat mit „Huris“ einen großartigen Roman gegen das erzwungene Vergessen des algerischen Bürgerkriegs geschrieben. Eine Frau wirft ihm aber vor, dafür ihre Geschichte geplündert zu haben.
Im September 2005 verabschiedete Algerien die sogenannte „Charta für den Frieden und die nationale Aussöhnung“, um einen Schlussstrich unter ein Jahrzehnt der Gewalt zu ziehen. Schätzungen sprechen von 200.000 Menschen, die dem Konflikt zwischen dem algerischen Militär und Islamisten in den Jahren 1992 bis 2002 zum Opfer fielen. Die Charta verfügte Straffreiheit für die Täter und dass nicht mehr über die Ereignisse gesprochen werden darf: kein persönliches Erinnern, kein offizielles Gedenken, keine Dokumentation, kein Wort in den Schulbüchern über das Grauen. Lässt es sich aber auslöschen, indem Schweigen per Gesetz verordnet wird? „Das Vergessen ist die Gnade Gottes, aber auch die Ungerechtigkeit der Menschen“, sagt eine Frau, deren Angehörige während des Bürgerkriegs getötet wurden, in Kamel Daouds Roman „Huris“.


