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E-Book-Kolumne „E-Lektüren“ : Barrierefreie Literatur unter Hochspannung

  • -Aktualisiert am

Immer schussbereit: Randy Quaid als Detective Carella in „Ed Mcbain's 87th Precinct“ (1995) Bild: Picture-Alliance

Ohne kiloschweres Buchgepäck in die Ferien? In den fünfziger Jahren hat Ed McBain den Polizeiroman nicht erfunden, wohl aber erneuert. Jetzt werden seine Bücher digital wiederbelebt.

          E-Books sind Schund. Pulp. Was nicht gedruckt wird, steht oft im Ruf, auf derart niedrigem Niveau geschrieben zu sein, dass kein anspruchsvoller Literaturverlag dafür zeichnen würde. Und doch geht es mir hier um schöne und gute Texte, wie sie etwa szenige Digitallabels in Berlin und andernorts herausbringen. Zu ihnen gehört der kleine feine Hamburger Verlag CulturBooks, in dem unter anderem Original-E-Books experimenteller Autoren unserer Tage erscheinen wie von Franzobel und Aleks Scholz, aber auch Lizenzausgaben vergriffener Bücher. Darunter ist so mancher Kriminalroman, denn an der Verlagspitze stehen der Krimifan Jan Karsten und die Kriminalschriftstellerin Zoë Beck.

          Die Unterscheidung von E und U interessiert das Verlegerteam nicht, wohl aber der besondere Text, der nicht in der Masse selbstverlegter Digitalliteratur untergehen soll. Zum Beispiel die Romane über das fiktive 87. Polizeirevier, die der amerikanische Autor Salvatore Lombino unter dem Pseudonym Ed McBain ab 1956 veröffentlicht hat. Viele von ihnen wurden ins Deutsche übersetzt, einige von ihnen waren Vorlagen für Filme, die Susan Sontag und Gabriel García Márquez beeindruckt haben. Im Umfeld des Autors waren berühmte Regisseure wie Claude Chabrol, Akira Kurosawa und Alfred Hitchcock, der ihn für das Drehbuch zu „Die Vögel“ engagierte und feuerte, als es um „Marnie“ ging. Damals nannte Lombino sich Evan Hunter. Er war Bestsellerautor, bekannt durch den Roman „Die Saat der Gewalt“, dessen Verfilmung in Bill Haleys Titelsong „Rock Around The Clock“ nachklingt.

          Anerkennung von höchster Stelle

          Aber Lombino schrieb auch Heftromane für Zeilengeld. Seine Pseudonyme lauteten: Hunt Collins, Ezra Hannon, Richard Marsten, John Abbot, Curt Cannon. Seine Texte: Pulp. Schund also, denke ich. Als „barrierefrei (ohne die Schwelle von Hochliteratur), aber auch ohne selbstauferlegte ästhetische Bescheidenheit“ beschreibt Thomas Wörtche, Experte für Kriminalliteratur, die 55 cop novels, die Lombino als Ed McBain verfasst hat, als „Sittengeschichte von New York“, vergleichbar mit Balzacs und Zolas Projekten. Ich beschließe, mehr über Lombino-Hunter-McBain zu lesen, der am 6. Juli 2005 mit 79 Jahren gestorben ist. Anlässlich seines zehnten Todestages haben die Hamburger Autoren Frank Göhre und Alf Mayer den Essay „Cops in the City. Ed McBain und das 87. Polizeirevier“ bei CulturBooks veröffentlicht. Damit begleiten sie die digitale Neuedition der McBain-Romane, die mit „Cops leben gefährlich“ ihren Anfang genommen hat. Zum Einstand gab es einen „E-Book-Release-Party-Lesungs-Musik-Abend“ im Hamburger Jazz-Club „Birdland“. Überhaupt präsentiert sich CulturBooks mit seinen eindrucksvoll schlicht gestalteten E-Books wie ein Musiklabel: Erzählungen und Essays heißen „Singles“, Novellen und Kurzromane „Maxis“, Anthologien „Alben“, Romane und lange Sachtexte „Longplayer“.

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