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Rebecca Solnit im Interview : „Orwell rümpfte die Nase über die Striktheit der Linken“

Rebecca Solnit sitzt in Hazlitt’s Hotel, London für ein Porträt. Aufgenommen im Juni 2022. Bild: Lucas Bäuml

George Orwells Rosen, Stalins Zitronen und warum die Liebe zu Blumen kein Regime stürzt, aber subversiv sein kann: Die Schriftstellerin Rebecca Solnit im Gespräch.

          7 Min.

          Die amerikanische Autorin Rebecca Solnit blickt nicht optimistisch auf die Welt. Ja, vieles hat sich verbessert, für Frauen, für Minderheiten. Aber vieles eben auch nicht: Grundrechte fehlen, die Umwelt wird weiter zerstört, Internetgiganten werden immer mächtiger. Dagegen schrieb und schreibt sie an, erst als Journalistin, dann als Essayistin. Heute ist sie eine prägende Intellektuelle in den Vereinigten Staaten. Berühmt wurde sie 2008 für einen Begriff, den sie nie benutzt hat: „Mansplaining“. So nannte eine Bloggerin das, was Solnit in einem Essay (aus dem später ein Buch wurde) so treffend als verbreitetes Verhalten besserwisserischer Männer beschrieb. Seitdem verfasste sie viele weitere Bücher, über Kunst, über Natur, über Amerika. So schreibt sie gern auch über Autoren und Künstlerinnen, die abseits des Kanons stehen.

          Caroline O. Jebens
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Dass sie nun ein Buch über George Orwell veröffentlicht hat, überraschte deshalb. Auch er gilt jedenfalls nicht gerade als Optimist. Solnit findet jedoch, dass man ihn darin verkennt. Ihre Auseinandersetzung mit ihm in „Orwells Rosen“ ist ein zuversichtlicherer Blick in ihrem Werk. Wir treffen uns in Soho, einem Stadtteil Londons, der ihrer Heimat San Francisco ähnelt. Das Hotel, in dessen Teestube wir sitzen, ist nach dem britischen Essayisten William Hazlitt benannt, der, wie Solnit sofort erzählt, in diesem Haus gestorben ist; ein Umstand, der sie gruselt. Tote Schriftsteller in einer lebensfreudigen Gegend – wir sind schon beim Thema.

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