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Autoren gegen Berliner Senat : PEN-Zentrum protestiert gegen Aufhebung des Ehrengrabs für Oskar Loerke

  • Aktualisiert am

Oskar Loerke (1884 bis 1941) Bild: Picture-Alliance

Der Berliner Senat will das Ehrengrab für den expressionistischen Dichter Oskar Loerke aufheben, weil „ein fortlebendes Andenken“ an Loerke nicht mehr erkennbar sei. Der Schriftsteller Lutz Seiler und der deutsche PEN erheben Einspruch.

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          Das deutsche PEN-Zentrum hat gegen die Absicht des Berliner Senats protestiert, das Ehrengrab für den expressionistischen Dichter Oskar Loerke in Berlin-Frohnau aufzuheben. In einer Pressemitteilung hatte der Regierende Bürgermeister Michael Müller die Aufhebung des Ehrengrabs mit der Begründung angekündigt, „ein fortlebendes Andenken in der allgemeinen Öffentlichkeit“ sei in Loerkes Fall „nicht mehr erkennbar“. Der PEN stellte dagegen fest, es lohne sich sehr wohl, das Andenken an Loerke wachzuhalten. Dieser sei „ein bewundernswerter Lyriker von großer Sprachkraft“, dessen bildhafte Sprache die Leser auch heute noch berühre.

          Bereits vor zwei Tagen hatte der Schriftsteller Lutz Seiler öffentlich seinen Einspruch gegen die Senatsentscheidung angemeldet. In der Süddeutschen Zeitung schrieb Seiler, Loerke vertrete die stärkste Traditionslinie in der Geschichte des deutschen Gedichts. Die Abkehr von der Naturlyrik, wie sie nach ihm von Günter Eich und Peter Huchel fortgeführt worden sei, habe in Deutschland zu lyrischen Arbeiten „von beispielloser Belanglosigkeit“ geführt. Mit dem Argument, Loerkes Andenken sei in der allgemeinen Öffentlichkeit erloschen, könne man auch „das Erinnern an die Geschichte der Dichtung und das Wirken ihrer Autoren insgesamt“ abschaffen. Seiler selbst hat für seinen jüngsten Roman „Stern 111“ im vergangenen Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten. Seine Gedichte sind mit zahlreichen weiteren Auszeichnungen geehrt worden.

          Ein Dichter gegen das „blutgefügte“ Reich

          Oskar Loerke (1884 bis 1941) arbeitete seit 1917 als Lektor beim S. Fischer Verlag. Im Jahr 1926 wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Neben Erzählungen und Romanen veröffentlichte er insgesamt sieben Gedichtbände, darunter „Wanderschaft“ (1911) und „Der Silberdistelwald“. Loerkes Gedichte sind in den meisten klassischen Anthologien zur deutschen Lyrik der Moderne zu finden. Einzelne von ihnen, wie „Blauer Abend in Berlin“ und „Fabrikstadt“, waren in den siebziger und achtziger Jahren in Westdeutschland Schullektüre.

          Im Oktober 1933 unterzeichnete Loerke auf Bitten seines Verlegers Samuel Fischer das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“, ein öffentliches Treueversprechen von 88 deutschen Dichtern und Schriftsteller an Adolf Hitler, und erwirkte dadurch seine Wiederaufnahme in die Preußische Akademie, die ihn nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ausgeschlossen hatte. In seinen Tagebüchern und Gedichten aus jener Zeit bekundete er dagegen seinen Abscheu über die Verbrechen des „blutgefügten Reichs“ und seine „Verzweiflung über das Teuflische“. Was innere Emigration wirklich bedeutet habe, könne man am Beispiel Loerkes ablesen, heißt es dazu in der Erklärung des PEN-Zentrums.

          An Oskar Loerkes Wohn- und Sterbehaus in der Kreuzritterstraße 8 in Berlin-Frohnau erinnert eine Gedenktafel an den Dichter. Außerdem ist eine Fußgängerbrücke im nahegelegenen Stadtteil Hermsdorf nach ihm benannt.

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