Gespräch mit Leïla Slimani über ihren neuen Roman :
„Den einen bin ich zu westlich, den anderen zu arabisch“

Von
Annabelle Hirsch
Lesezeit:
Die franko-marokkanische Schriftstellerin Leïla Slimani in der Rue de ­Navarin in Paris
Die franko-marokkanische Schriftstellerin Leïla Slimani in der Rue de ­Navarin in ParisFrank Röth

Die Schriftstellerin Leïla Slimani hat einen neuen Roman geschrieben, der in Marokko spielt und auch von der eigenen Kindheit erzählt. Ein Gespräch über Identität, den Gefängnisaufenthalt ihres Vaters – und über den Versuch, durch Schreiben Gerechtigkeit zu schaffen.

Es ist Donnerstagabend in Paris. Die franko-marokkanische Schriftstellerin Leïla Slimani hastet mit Bücherstapeln unter beiden Armen in die Hotelbar, entschuldigt sich, die Sitzung bei ihrem Verleger habe länger gedauert als erwartet. Seit einiger Zeit ist Slimani, die 2016 den Prix Goncourt gewann, vom Präsidenten Macron zur Beauftragten der sogenannten „Francophonie“ ernannt wurde und zuletzt die Eröffnungsshow für die Olympischen Spiele in Paris mitgestaltete, auch Teil des Lesekomitees des berühmten Verlagshauses Gallimard. Sie habe Milan Kunderas Platz eingenommen, sagt sie stolz und spricht erst einmal über ihr neues Zuhause in Lissabon, bis wir zum eigentlichen Thema kommen: ihrem neuen Roman. „Trag das Feuer weiter“ ist der letzte Band ihrer vor knapp sechs Jahren begonnenen Trilogie, einer an die Geschichte ihrer eigenen Familie angelehnten Familiensaga, die das Schicksal von drei Generationen erzählt, von 1945 bis heute, zerrissen zwischen Frankreich und Marokko. Es geht um Kolonialherrschaft und Unabhängigkeit, Freiheitsdrang und den Wunsch nach Zugehörigkeit, Tradition und Modernisierung, große Träume und Ideale, die zu Asche werden.
FAZ

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