FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);„Grenzen der Gemeinschaft“ :
Wir Stachelschweine

Von
Miguel de la Riva
Lesezeit:
Humphrey Bogart und Lauren Bacall in „To Have and Have Not“, 1944
Humphrey Bogart und Lauren Bacall in „To Have and Have Not“, 1944Culver Pictures

Vor einhundert Jahren erschien mit Helmuth Plessners „Grenzen der Gemeinschaft“ eine Eloge auf Distanz, Diplomatie und Takt. Aber die Schrift ist ambivalenter, als viele Würdigungen zu sehen bereit waren.

Wir sind auf die anderen angewiesen und müssen darum ihre Nähe suchen. Zugleich machen uns die Mitmenschen das Leben zur Hölle, weswegen wir Abstand von ihnen brauchen. Für diesen Grundwiderspruch des Zusammenlebens hat Arthur Schopenhauer in seinen „Parerga und Paralipomena“ 1851 das Gleichnis der Stachelschweine geprägt: „Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich, an einem kalten Wintertage, recht nahe zusammen, um durch die gegenseitige Wärme, sich vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln; welches sie dann wieder von einander entfernte.“ Zwischen beiden Leiden wurden sie hin- und hergeworfen, „bis sie eine mäßige Entfernung von einander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten“.

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