ARD-Film „Über den Tag hinaus“ : Was für eine Nachtschicht

Eine schlechtgelaunte Taxifahrerin kutschiert einen altersweisen Gentleman durch Frankfurt. Dann tauschen sie die Rollen. Sie blüht auf, er baut ab. Wäre ganz schön kitschig, gäbe es den tollen Hauptdarsteller nicht, den man zu selten im Fernsehen sieht.
Kurios und elegant zugleich ist der ältere Herr, den die misanthropische Taxifahrerin Greta (Katja Studt) am Ende ihrer Nachtschicht und Anfang ihrer sentimentalen Reise in Frankfurt aufgabelt. Eine Figur wie aus der Zeit gefallen. Die Formulierungen geschliffen, jede in sich fürs Sentenzenbüchlein geeignet, ein verschmitzt-melancholisches Lächeln, eine Aura von Lebensweisheit und Lebensfreude. Etwas Wehmütiges umgibt diesen Walter (Horst Sachtleben) gleichwohl, der mit altertümlichem Rindslederkoffer und ebensolcher Aktentasche, mit sorgfältig gerolltem Regenschirm und feinstem rahmengenähtem Schuhwerk sich zum Maßschneider fahren lässt. Der schneeweiße Anzug, den er wählt, dazu das himmelblaue Hemd, das die Taxifahrerin ihm auf Verlangen auswählt, geben ihm das Aussehen eines als Hutzelmännlein verkleideten Engels.





